EC-Sommersitzung in Genf: von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Was haben Henri Dufour, Ottolenghi und automatische Spracherkennung miteinander zu tun? Für die Mitglieder von euro communication besteht seit dem 15. und 16. August jedenfalls eine Verbindung zwischen den dreien: Genf. Dort haben wir uns an dem erwähnten Wochenende zu einer weiteren Halbjahressitzung getroffen, die sich auf verschiedenen Ebenen mit dem Gestern, Heute und Morgen befasste.

Neben den standesüblichen Formalitäten kommen bei unseren Sitzungen immer auch aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Berufsfeld zur Sprache. In Genf stand CAI (Computer-Aided Interpreting) im Zentrum, also diverse Soft- und Hardware-Tools, die Dolmetscher:innen bei Ihrer Arbeit unterstützen sollen. Dabei reicht die Spannbreite von einfacher Textverarbeitung über Prompt Engineering für Chatbots und KI-unterstützte Terminologie-Software bis zu automatischer Spracherkennung (ASR) als Unterstützung in der Kabine. Nach einem umfassenden Überblick wurde ausführlich diskutiert, welche dieser Hilfsmittel uns für unsere Arbeit dienlich sein können, und welche Aspekte aus ethischer, rechtlicher und finanzieller Sicht zu bedenken sind. Unser Fazit: Einige Möglichkeiten klingen interessant, wir werden sie in nächster Zeit aber erst noch auf ihre Praxistauglichkeit prüfen müssen.

Im gemütlicheren Teil des Programms flanierten wir durch das Genfer Quartier Plainpalais mit den charakteristischen Bauten der Gebrüder Honegger und besuchten den Cimetière des Rois mit den letzten Ruhestätten verschiedener für Genf und darüber hinaus prominenter Persönlichkeiten von Johannes Calvin über Henri Dufour bis Jean Ziegler. Schließlich kehrten wir in die Gegenwart zurück und ließen uns im Restaurant Ottolenghi Geneva kulinarisch verwöhnen.

Jetzt sind wir gespannt auf den regelmäßigen (Online-)Austausch im nächsten Halbjahr, werden fleißig neue Tools testen und immer wieder Altes, Aktuelles und Aufkommendes besprechen. À propos Zukunft: Wir freuen uns, bei unserer nächsten Sitzung im Februar ein neues Mitglied aus Paris willkommen zu heißen.

Paula Hüsser & Lorenz Mohler

From Caer to Chester and back again

Last weekend, one of our members, Daniel, ventured back to England to attend the nuptials of two very good friends.

The journey to the wedding location was rather more eventful and exotic than originally expected, despite having travelled by train in England many hundreds of times before. After arriving at Manchester airport and shaking off the novel feeling of being in an episode of Coronation Street, I boarded my onward train.

Yet when I read the display screens, I couldn’t for the life of me understand what they said. The destination of the train I booked had changed to Caer and the announcements were unintelligible to me.

No – the train company hadn’t decided to use AI for its displays, leading to unintelligible gibberish and hallucinations.

No – English hasn’t changed quite that much in the 12 years I’ve been away.

The solution came swiftly in the form of an automatic switch to a different view of the information. And then the proverbial penny dropped. The train service was bilingual, with both English and Welsh being used for everything from spoken announcements to lavatory button instructions.

Caer became Chester, Manceinion became Manchester and trên became train (ok, I could have worked out the last one).

Having grown up on the southeast coast of England, it’s easy to forget that several languages are spoken in the UK. English, Welsh, Scottish Gaelic, Irish, Scots and Cornish to name but a few, and that’s not counting the vastly rich tapestry of languages brought more recently to these shores.

Here, multilingualism plays a crucial role in a banal setting. But that’s the point, isn’t it? The purpose of translation and interpreting, from helping people travel from A to B to conveying complex information at the highest international levels, is to enable seamless communication, whilst unseemingly remaining in the background.

In other words, human interpreting and translation is essential not just to understand, but more crucially to avoid misunderstandings.

La vache espagnole

Eine auf Französisch radebrechende spanische Kuh? Die humorvoll-surreale Redewendung besagt, dass jemand die Sprache Molières mehr als holprig oder mit starken Interferenzen anderer Sprachen spricht. Der Kontrast zwischen dem Paarhufer und der für ihre Eleganz bekannte französischen Sprache beruht, wen wundert´s, auf einer Deformation. Erste Möglichkeit: des okzitanischen gavach. „Wie ein Saisonarbeiter aus den Pyrenäen“ zu sprechen klingt gleich weniger surreal. Denkbar wäre auch baxo (eine historische Bezeichnung für Hispanier aus dem Süden der Iberischen Halbinsel, „baco“ gesprochen), zu vaco und schließlich vache mutiert. Sogar ein auf Spanisch radebrechender basque, der die französische Sprache über Gebühr strapaziert, ist unter den Erklärungsversuchen für die Redewendung zu broken French zu finden.

Ein Bild ist ein Bild und Bilder prägen sich nun mal hervorragend ein. Bilder in den Köpfen der Zuhörenden entstehen zu lassen ist auch beim Dolmetschen immer wieder eine Herausforderung. Idiomatische Wendungen vermitteln in Sekundenschnelle Kultur und setzen Farbakzente. Dass der Allgemeinsprache nur ein kleiner Teil angehört und für das Dolmetschen relevant ist, steht auf einem anderen Blatt.

Zurück zu den ruralen Wiederkäuern und einer spanischen Besonderheit, die gute Chancen hat, auf die Liste des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe zu kommen: Die vias pecuarias oder Transhumanz-Wege für Ziegen, Schafe und Kühe durchziehen seit dem Mittelalter ganz Spanien. Die cañadas reales, 72,22 Meter breit, sind am eindrucksvollsten. Sie verbinden die traditionellen Weideplätze Spaniens miteinander und sind bis heute über weite Strecken erhalten.

Ah la vache! Auch um Verblüffung auszudrücken, wird die Kuh auf Französisch gern herbeizitiert. Dabei hatte sogar die belebte calle de Atocha im Herzen Madrids einst als Transhumanzpfad begonnen. Zur „Fiesta de la Transhumancia“ erobern jeden Oktober Tausende Schafe die Hauptverkehrsstraßen Madrids. Ziel dieser 1994 begründeten Veranstaltung sind die Sensibilisierung für nachhaltige Viehwirtschaft und Erhalt der Artenvielfalt. Per Gesetz wurden die vías pecuarias, Viehtriebwege, schließlich 1995 als Eigentum der Öffentlichkeit und weltweit einmaliges Kulturerbe anerkannt.

Sommerzeit, Reisezeit… Mit Blick auf die Energiekrise und den bullenheißen Sommer sind Reisen mit geringem ökologischem Fußabdruck angesagter denn je. Die vías pecuarias erstrecken sich über 125.000 Kilometer Länge, überwiegend in Nord-Süd-Ausrichtung. Die Cañada Real Soriana Oriental führt über 800 km von Soria bis Sevilla. Auch die alten Römerstraßen oder calzadas romanas (40.000 km!) laden im spanischen Herbst und Frühling zu Entschleunigung pur ein. Allein die Via Augusta ist 1500 km lang. Dazu kommen seit über 30 Jahren die modernen vías verdes, aufgelassene Bahnstrecken, ideal für Radtouren und Trekking, mit ihren 143 Streckenabschnitten und 3.600 km Länge.

Soviele Kilometer gehen auf keine Kuhhaut! Aber zurück zur Sprache als der „Kleidung der Gedanken“ – oder als nicht unbeträchtlichem Hindernis auf dem Weg zur Verständigung. Auch in Zeiten von KI-Assistenten machen bereits 30-50-100 auf die Schnelle erlernte Wörter und Sätze einen Unterschied. Für das Kontaktfinden unterwegs in einer bis dato nicht erlernten Sprache, das Hineinschmecken in andere Kulturen braucht es nicht viel. Nur Mut zur Lücke: Weniger ist mehr.

Chapurreo el alemán | arranho o português | me la cavo in italiano e mastico un po´ di greco | je baragouine le japonais: Wer das sagt, ist schon einen kleinen, aber sicheren Schritt weiter in der Verständigung mit Einheimischen, die kein Englisch verstehen. There’s a crack in everything, that’s how the light gets in, singt Leonard Cohen. Wabi-Sabi: Schönheit im Unvollkommenen sehen.

Brigitte Stanglmeier

What Conference Interpreting, the Fashion Industry, and the British Summer Social Season Have in Common

As the British summer social season gets into full swing, with garden parties, race meetings, weddings, village fêtes and the occasional event where nobody is quite sure what the dress code means, it seems that conference interpreting has far more in common with fashion than one might think.

For a start, both professions require impeccable timing. Arrive too early with a punchline, a diplomatic nuance or a fascinators-and-feathers ensemble, and nobody is ready for it. Arrive too late, and the moment has passed.

Then there are hats…

In Britain, hats are serious business. Royal Ascot alone can generate more discussion about headwear than some parliamentary committees generate about legislation.

Interpreters, too, wear many hats. On any given day, we may be linguists, terminologists, diplomats, crisis managers, technicians, psychologists and occasionally mind-readers.

Some days, we need to keep our hats on when a speaker suddenly abandons the prepared speech and launches into a twenty-minute anecdote.

Other days, we must take our hats off to colleagues who somehow manage to render impossible acronyms, inaudible microphones and statistics delivered at machine-gun speed with effortless elegance.

And, of course, there are moments when we have to pull a rabbit out of the hat when a minister changes language halfway through a sentence.

Fashion and interpreting also share a curious paradox: when everything goes well, nobody notices.

The best-tailored outfit looks effortless. The best simultaneous interpretation sounds effortless. Yet both are the result of countless hours of preparation, attention to detail and professional ability.

There is another similarity. Trends come and go.

Fashion has hemlines, colours, and seasonal must-haves. Interpreting has platforms, remote meetings, AI tools, and the latest terminology management software. Every year brings a new „essential innovation“ that promises to change everything.

Yet the fundamentals remain remarkably unchanged.

In fashion, confidence never goes out of style.

In interpreting, neither do preparation, judgement, nor human connection.

As we head into another busy summer of conferences, congresses, and social gatherings, perhaps the lesson is simple:

Whether choosing a hat for Ascot or preparing for a multilingual summit, success often depends on finding the right fit, keeping a cool head, and knowing which hat to wear at the right moment.

My hat is off to all colleagues navigating both the conference season and the social season.

May your microphones work, your terminology arrive on time, and your hats survive the British weather.

Barbara Bethäusser-Conte

Tierisch Spaß bei der Vorbereitung

Die Frage, wie groß der Abstand vom Tier zum Menschen wohl sein mag, ob es diesen überhaupt gibt, oder, ob der Mensch letztlich auch nichts anderes sei als ein Tier auf zwei Beinen, wenn auch mit aufrechtem Gang – auf diese wird es wohl nie eine für alle zufriedenstellende Antwort geben.

Ohne mich an dieser Stelle tiefer durch die kniffligeren philosophischen Aspekte dieser Diskussion zu schlängeln zu wollen, lässt sich die Abwesenheit klarer Grenzen schon beim Sprachgebrauch feststellen, der, egal in welcher Sprache, offensichtlich „Tierisches“ liebt, wobei ich mich, der Kürze halber, auf einen Aspekt meiner Arbeit als Dolmetscherin beschränken möchte: die Vorbereitung.

Mit jedem bestätigten Auftrag handeln wir uns bis zu einem gewissen Grad die „Katze gewissermaßen im Sack“ ein, the pig in the poke würde man dazu im Englischen sagen, denn Unwägbarkeiten sind immer dabei. Oft sind es zunächst fehlende inhaltliche Vorbereitungsunterlagen, die lange auf sich warten lassen, und schon mal dazu führen, dass wir anfangen innerlich zu knurren.

Sind die ersten Rede- oder Vortragsentwürfe eingetroffen, machen wir das, was im Englischen auch mit have a gander umschrieben wird, werfen also schon mal einen neugierigen Blick auf die kommenden Herausforderungen, indem wir unseren mehr oder minder langen Gänsehals recken.

Um beim Thema zu bleiben: es gibt Präsentationen, die verursachen bereits beim ersten Blick Gänsehaut, bzw. make me come out in goose-pimples, einfach weil das Thema neu oder spannend zu werden verspricht.

Dies ist jedoch beileibe nicht immer der Fall. Ist die Vorlage sehr komplex, weil mit unbekannten Fachtermini gespickt oder unbeholfen von einem Nichtmuttersprachler formuliert und dadurch auf den ersten Blick kaum durchschaubar fühle ich mich vielleicht erst einmal cowed, also eingeschüchtert.

Ist der Auftrag jedoch erst einmal angenommen kann man sich auch nicht mehr kleinmütig davonstehlen, also chicken out of it. Das arme Huhn! Ducking, sich also klein machen, wie eine Ente funktioniert auch nicht. Auch nicht, sich endlos gegenüber der Familie zuhause darüber zu beschweren, dass man so dumm war, sich die Aufgabe anzutun, also carp on about it, wie der vermeintliche Karpfen ist auch keine Option.

Ätsch, hereingefallen! Obwohl das hier so aussieht, als stecke der Karpfen drin, hat to carp on about something so gar nichts damit zu tun, sondern ist vermutlich altnordischen Ursprungs, karpa, wo es nicht nur laut schreien, sondern auch streiten oder miteinander ringen bedeutete. Letzteres ist natürlich das, wie ich mit der Herausforderung am besten umgehe.

Wie dem auch sei, während der Vorbereitung entstehen selbstverständlich zahlreiche Fragen, für die ich gerne Experten konsultieren, am liebsten aber badgern (hier steckt der Dachs drin) möchte, sie also unablässig mit Fragen behelligen oder, noch schlimmer, bug them,ihnen damit auf die Nerven  gehen; nicht aber, sie verwanzen, was bei bug ja auch noch eine Interpretationsmöglichkeit wäre,  das wäre als Arbeitsmethodik einfach zu ineffizient.

Stattdessen nutzen wir hierfür heute natürlich u.a. das allseits beliebte world wide web und die KI und wenden uns wirklich nur in den seltensten Fällen an den Urheber des Rätsels.

Und hierbei möchte ich es auch bewenden lassen, obwohl es noch unzählige Möglichkeiten gäbe, unser Tun als Dolmetscher mit tierischen Verben zu beschreiben. So manch einer mag ja denken, wir Dolmetscher äffen (im Englischen: ape) das Original lediglich in einer anderen Sprache nach.

Wenn es doch nur so einfach wäre. Dann würde es aber auch keinen Spaß machen.   

Auf den Spuren des „Universalübersetzers“

Angesichts der rasanten Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz wird dem Dolmetscherberuf (ebenso wie vielen anderen Berufen) immer mal wieder ein baldiges Ende vorausgesagt – in aller Regel von Personen, die keine ausgewiesenen Expert*innen für Sprachen oder deren Übertragungsprozesse sind. Dass sich der Beruf, der immerhin als einer der ältesten überhaupt gilt, durch KI (teils stark) verändert, dürften die wenigsten Dolmetscher*innen bestreiten. Dass er aber gänzlich verschwindet, ist zum aktuellen Zeitpunkt aus fachlicher Sicht zumindest unwahrscheinlich. Spannenderweise hat ausgerechnet die Science-Fiction-Welt schon vor vielen Jahren ein durchaus plausibles Bild davon gezeichnet, wie die Zukunft hier stattdessen aussehen könnte.

Jedem eingefleischten Star-Trek-Fan ist der sogenannte Universalübersetzer (engl. universal translator, UT) ein Begriff: ein Computersystem, das es Benutzer*innen ermöglicht, in Echtzeit mit (außerirdischen) Wesen zu kommunizieren, die eine andere Sprache sprechen – fachlich korrekt also eigentlich ein Universaldolmetscher (engl. universal interpreter). Was im Jahr 2026 – in Ansätzen – mit mehreren Dutzend irdischen Sprachen funktioniert, klappt im Star-Trek-Universum in kommenden Jahrhunderten sogar mit über 1.000 Sprachen, die nicht von dieser Welt stammen. In früheren Erzählungen der Star-Trek-Chronologie (Mitte des 22. Jahrhunderts) kommt der Universalübersetzer zunächst auf Handgeräten (Kommunikatoren) zum Einsatz, in späteren Erzählungen (zweite Hälfte des 24. Jahrhunderts) ist er dann in das Bordbetriebssystem ganzer Raumschiffe der „Sternenflotte“ integriert.

Trotz dieser technischen Errungenschaft, die gemäß den Star-Trek-Annalen übrigens auf der Erde erfunden wurde, gehören Raumschiffbesatzungen oft sogenannte Kommunikationsoffizier*innen an, die unter anderem als Sprachexpert*innen fungieren. Die bekanntesten Beispiele dürften Hoshi Sato (dargestellt von Linda Park) und Nyota Uhura (dargestellt von Nichelle Nichols, Zoë Saldaña und Celia Rose Gooding) sein – zwei Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedlichen Modellen der „Enterprise“ dienen. Insofern drängt sich die Frage auf, wozu es solcher Spezialist*innen bedarf, wenn doch der Computer bzw. KI vermeintlich alle Sprachbarrieren beseitigt?

Die Antwort: Schon die Star-Trek-Macher*innen gingen davon aus, dass ein computer- bzw. KI-gestütztes Dolmetschsystem immer nur so gut sein kann, wie die Daten, mit denen es trainiert wird. Dieses Training, die Weiterentwicklung und insbesondere die Kontrolle des Systems können letztlich nur Menschen (oder andere humanoide Wesen) übernehmen, die mehrere Sprachen nahezu perfekt beherrschen und die Tücken bei der Übertragung von einer Sprache in die andere kennen. In einzelnen Star-Trek-Erzählungen stößt der Universalübersetzer auch an technische Grenzen oder fällt sogar komplett aus – wohl dem, der sich irgendwo im Weltall auf heikler diplomatischer Mission befindet und in solch einer Situation eine*n überaus kompetente*n Sprachmittler*in an seiner Seite hat. Und nicht zuletzt vertrauen einige Kommandant*innen, wenn es wirklich darauf ankommt, in Sprachfragen selbst in der fortschrittlichen Welt von Star Trek doch eher einem menschlichen oder menschenähnlichen Wesen als einer Maschine.

Nun müssen die Geschichten von Raumschiff Enterprise und Co. natürlich kein verlässliches Abbild der Zukunft sein. Tatsächlich spricht derzeit aber einiges dafür, dass die Star-Trek-Visionär*innen zumindest mit ihrer Vorstellung eines Universalübersetzers und der Aufgaben von Sprachspezialist*innen Recht behalten könnten.

„Faszinierend…“, wie Mr. Spock sagen würde.

Wieso nicht es bitzeli lockerer?

Die Schweizer, die Deutschen und ihr Sprach«problem»
Das Verhältnis zwischen Deutschschweizern und Deutschen ist schwierig seit ich denken kann. Ich (Jahrgang 1960) stamme aus einem ziemlich typischen Schweizer Elternhaus, in dem man den Deutschen skeptisch bis ablehnend gegenüberstand. Über die Gründe könnte man endlos debattieren. Jedenfalls kam es erst einmal nicht gut an, als ein deutscher Schwiegersohn einheiratete, sicher wären ein Franzose oder ein Italiener auf mehr Wohlwollen gestossen.
Man fand die Deutschen und ihr Auftreten laut, angeberisch, breitbeinig, fordernd und forsch – und dann war da natürlich, eher diffus und auch etwas unlauter, immer das Argument der mehr oder weniger jüngeren Vergangenheit.
Jedenfalls: die Deutschen nervten. Und daran scheint sich irgendwie wenig geändert zu haben. Wobei heute deutlich mehr Deutsche in der Schweiz leben.
Dazu ein paar Zahlen: Ende 2024 lebten in der Schweiz rund 330’000 Deutsche, konzentriert in der deutschsprachigen Schweiz. Auf eine Gesamtbevölkerung von 9,05 Mio. sind das etwa 3.6%. Zum Vergleich: In Deutschland mit seinen 83,5 Millionen Einwohnern entspräche das rund 3 Millionen Einwohnern. Fyi: Laut de.statista.com lebten 2024 in Deutschland 1,54 Millionen Türken. Für die gesamte Schweiz weist die Statistik einen Ausländeranteil von 27 Prozent aus. (Deutschland: 14,5%)*
Wenn auch die Schweiz weiterhin das beliebteste Auswanderungsziel für die Deutschen sein mag (deutsches Statistisches Bundesamt 2025), so beruht diese Beliebtheit nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit, und die Integration ist nicht immer einfach, trotz der Sprache.
Oder vielleicht gerade deswegen?
In der geachteten Westschweizer Tageszeitung „Le Temps“ formulierte der (französischsprachige) Autor einmal die These, das etwas verquere Verhältnis zwischen Deutschen und Deutschschweizern habe damit zu tun, dass die Deutschen den ungewöhnlichen Fall einer Gruppe von Immigranten darstellten, welche die Sprache besser beherrschen als die Einheimischen.
Tatsächlich erlaubt Sprache in der Regel eine einfache Ab- und Ausgrenzung von Migrantinnen und Migranten. Wenn man sich aber gegenüber Fremden im eigenen Land (sprachlich) unterlegen fühlt, muss die Abgrenzung auf anderem Weg geschehen.
Dazu gehört eine Rückbesinnung auf den Dialekt, aber auch auf das Schweizer-Hochdeutsch, manchmal mit nationalistischen Untertönen. Früher wurde bei Anfragen für Veranstaltungen nie gefragt, ob die Dolmetscherin auch Schweizerdeutsch beherrsche, heute kommt das regelmässig vor. Schreiben in Mundart war früher verpönt, ist heute aber gang und gäbe – ich kann die WhatsApp-Nachrichten meiner Neffen nur schwer entziffern, und ein mundartliches “häbets gäbig” beschliesst ganz übergangslos eine auf Hochdeutsch verfasste Nachricht. In TV und Radio sind die Dialekte präsenter (und übrigens vielfältiger), und wer sich in den öffentlich-rechtlichen Medien in angeblich zu wenig schweizerischem Hochdeutsch ausdrückt, sieht sich schon mal übler schweiztümelnder Kritik ausgesetzt.**
Deutsche haben es (auch sprachlich) nicht leicht im deutschsprachigen Teil der Schweiz: Wenn man sich bemüht, Dialekt zu lernen und sogar zu sprechen, erntet man oft nur ein spöttisches Lächeln, weil’s ja doch nie so ganz richtig klingt; lässt man es sein, gilt man als nicht integrationswillig und -fähig. Ein Dilemma. Verstärkt möglicherweise dadurch, dass es vielerorts inzwischen einfach ist, in einer deutschen Community zu bleiben und den spannungsreichen Kontakt zu vermeiden.
Schade. Ich möchte allen Schweizer*innen und Deutschen in der Schweiz zurufen: macht Euch locker, verbiegt Euch nicht und hört Euch einfach mal gut zu, ohne gleich zu witzeln, zu spötteln oder zu meckern – Mundarten und ihre bunte Vielfalt sind schön, und Deutsch in allen seinen Variationen ist es auch! Freuen wir uns lieber darüber, dass dieses bitzeli Sprachbarriere in der Regel die Verständigung nicht wirklich behindert.

*) Quellen: Statistisches Bundesamt (DE und CH), statista.com
**) z.B. hier

Dorothee Hofer, (Julia Göbel)

A nap cab post …

… oder philologisch ausgedrückt „Eine komparative Abhandlung zur Längendifferenz deutscher und englischer Ausdrücke unter besonderer Betrachtung von Flugnebenleistungen“.

Dass englische Phrasen und Sätze mit weniger und kürzeren Wörtern auskommen als deutsche, wissen nicht nur Übersetzer, die bei der Übersetzung eines englischen Textes ins Deutsche vorgegebene Platzbeschränkungen einhalten müssen. Auch Simultandolmetscher stellen mitunter fest, dass sie sich beim Dolmetschen aus dem Englischen ins Deutsche sputen müssen und mehr Power sowie einen längeren Atem benötigen.

Zur Entspannung vor oder nach einer solchen Schnellsprechübung findet man an verschiedenen Flughäfen Unterstützung – so entdeckt in Frankfurt vor einigen Tagen. Eine nette Einrichtung, die nicht nur ein kurioses Komfortangebot ist, sondern die auch die sprachlichen Unterschiede beispielhaft verdeutlicht.

Wir haben gewiss auch alle die Bilder von gestrandeten Fluggästen oder Umsteigepassagieren vor Augen, die nach einem Flug über mehrere Zeitzonen hinweg kaum noch die Augen offenhalten können und versuchen, auf den Schalensitzen oder auf dem Boden ein paar Minuten Schlaf zu finden. Das geht auch weitaus bequemer: Am Frankfurter Flughafen z.B. kann man stundenweise eine kleine, schmale Kabine buchen, die über eine Liege verfügt und Erholung bietet.

Dieses Komfortangebot der modernen Reisewelt ist auch noch ein schönes Beispiel für die eingangs erwähnten Längenunterschiede im Deutschen und im Englischen, denn es trägt den knappen wie auch treffenden Namen „nap cab“.

Wie würde man wohl im Deutschen dazu sagen? „Pennbude“ wäre auch halbwegs kurz und humorvoll, aber vielleicht ein bisschen zu abwertend. „Schlafkabine“, so lautet der offizielle Name, ist natürlich treffend, klingt aber langweilig, „Schlafplatz“ ebenso. Sehr lustig würde „Ein Kämmerchen fürs Nickerchen“ klingen, doch da wäre ja schon der Name länger als die Kabine selbst. Quod erat demonstrandum!

Autoren: Barbara Fischer und Claus Brockschnieder

That’s just not cricket!

Sports fan or not, if you use English professionally or in private, it’s sure to be peppered with sporting terms and metaphors. Some of them are obvious, some less so – and some so deceptively similar at first glance that you could easily end up scoring an own goal if you’re not totally on the ball.

Now that we’ve got that bit of punditry out of the way, let’s kick off with the beautiful game. The phrase “go back to square one” is so ubiquitous that it may come as a surprise to learn that it hails from the days before television broadcasts of football (soccer, just to be clear about this), when radio commentators used a grid structure to represent the pitch – with square one being the penalty box.

Now let’s move from the football pitch to the baseball field – where of course the ball is pitched towards the batsman. Interestingly, there is, however, no connection between this type of pitching and a “sales pitch”, even though the imagery would tally. Rather, sales pitch goes back to merchants pitching their stall and setting out their wares.

Let’s segue to another bat and ball sport, to the wonderfully languorous and noble game of cricket. Largely unknown on the European continent, it is the national sport of many former Commonwealth nations and another fine example of a sport invented in England but long since commanded with much more prowess by other countries. That can leave you feeling a little stumped sometimes. The initiated may now feel like they’ve been knocked for six when they find out that being “stumped” allegedly also goes much farther back than cricket though – it seemingly has more to do with losing a leg.

Another more drawn-out sport provides a further curious turn of phrase, namely golf. Whilst anyone out on the course would be elated about finishing the 18th below par, in everyday life nobody would aspire to feeling under par. But if you disagree, please, feel free to chip in!

We’re going flat out now with the sporting sayings and cringeworthy puns, but fear not, as we are nearing the final furlong. There is a term from yet another sport that has made its way not only into common parlance, but also into corporate strategy. This time, we’re looking at rugby, often referred to as a game for hooligans but played by gentlemen. One of the key formations during a game of rugby is of course the “scrum”, a pretty rough-and-ready looking amalgamation of limbs scrabbling around to take control of the ball. The term “scrum” is, however, perhaps used more frequently in reference to agile management styles, but originates from the rugby principle.

Before we wave the chequered flag on this post, let’s take a quick look at the deceptively similar but actually rather juxtaposed terms teasered at the top. Now, most sportspersons would take it as read that their competitors would behave in a sportsmanly manner – abiding by the rules, not deliberately impeding others, etcetera. Not so the competitor who engages in gamesmanship, though. Quite the contrary, indeed. That is the very intentional use of underhand tactics to gain an unfair advantage. Perhaps obvious to the initiated, but a veritable pitfall to those not in the know.

If you’ve read this far, with or without taking a pitstop, well done. Hit the metaphorical cool-down room before doing a lap of honour.

Gabriele Willberg and Jeremy Groves

Ach wie gut, dass niemand weiß …

Ein guter Freund und Ex-Kollege hat mich heute auf einen weiteren dieser großartigen idiomatischen Ausdrücke in der englischen Sprache hingewiesen, den ich doch gleich in die große Runde werfen muss:

In einer älteren Ausgabe einer britischen Tageszeitung (oder vielleicht auch einem Online-Forum) ist er auf den folgenden Satz gestoßen, der wohl auch in Zusammenhang mit einem kleinen Aufsatz des britischen Komikers und Schauspielers John Cleese steht, wenngleich er nicht in selbigem auftaucht:

„Because Putin has again thrown his toys out of his pram by threatening “consequences” because the Western World has finally decided to send Chieftain, Leopard, and Abrams tanks to the Ukraine, he thinks we will tremble in our boots and be afraid to actually send them.“

Was für eine herrlich bildhafte Ausdrucksweise. Als wissbegieriger Simultandolmetscher, der es auch im Alltag selten schafft, den Übersetzungsmodus auszuschalten, fragt man sich natürlich gleich, „wie würde ich das in der Kabine übersetzen?“. Die KI schlägt vor „Er hat wieder einmal seine Spielsachen aus dem Kinderwagen geworfen.“ Ooookaaay, kann man machen, wörtlich übersetzen, aber wer kann damit was anfangen? Allerdings ist es auch nicht so ganz einfach, eine schöne deutsche Entsprechung zu finden; mir kam als erstes die „Schmollecke“ in den Sinn – „er hat sich in die Schmollecke verzogen“. Aber das ist eindeutig zu brav und milde ausgedrückt; ein Kind, das seine Spielsachen aus dem Kinderwagen wirft, hat ja eher einen Tobsuchtsanfall. „Trotzanfall“ wäre auch noch eine Möglichkeit, aber das klingt schon sehr sachlich-nüchtern. Man könnte diesen Gedanken ausbauen zu „hat einen Tobsuchtsanfall bekommen wie Rumpelstilzchen“. Aber noch besser wäre „stampft wie Rumpelstilzchen wütend mit dem Fuß auf den Boden“. Das ist im Moment mein Favorit. Hat noch jemand eine schöne Idee?

Übrigens ist es reiner Zufall, dass Putin für diese Idiomatik-Analyse herhalten muss. Der Spruch könnte genauso gut auf andere Politiker der heutigen Zeit angewandt werden …

Der gleichermaßen lesenswerte kurze Artikel von John Cleese trägt übrigens den Titel „Alerts to Terror Threats in 2011 Europe“ und nimmt gleich mehrere westeuropäische Staaten und deren Krisenreaktionen auf die bekannt bitterböse Art und Weise auf die Schippe. Monty Python lässt grüßen.