„Ich werde Dich auserkiesen.“

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Ach herrje, schon wieder so ein Modewort aus Amerika? Oder ist das gar etwas Unanständiges? Weder noch; es handelt sich vielmehr um ein besonders schönes und seltenes Fundstück aus dem Deutschen: Wir alle kennen Formulierungen wie „Dortmund hat einen Nachfolger für Erling Haaland auserkoren.“ oder „Die Preisträger wurden von einer Jury auserkoren“. In diesen Sätzen wird „auserkoren“ als Partizip Perfekt oder Partizip 2 verwendet. Aber woher stammt dieses Partizip, wie lautet die aktive Form im Präsens? Sagt man etwa „Die Jury erkehrt die Preisträger aus“? Mitnichten! Der Infinitiv von „auserkoren“ lautet tatsächlich „auserkiesen“. Und das wiederum ist eine erweiterte Form von „erkiesen“, einem Verb, das in Deutschland bis ins 18. Jahrhundert verwendet wurde. Doch keine Sorge, Sie müssen jetzt nicht eine neue Vokabel samt ihrer Konjugation lernen. Heutzutage wird das Verb nämlich in der Gegenwartsform im Aktiv („ich erkiese aus“) kaum noch eingesetzt, und nur in seltenen Fällen in der Vergangenheitsform („ich erkor aus“). Was sich jedoch gehalten hat, ist das Partizip, „AUSERKOREN“.

Von Flügelmuttern, Fledermäusen und den US-Wahlen

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Dieses Objekt ist eine Flügelmutter. Zwei sind es, zwei Flügelmütter – pardon! – Flügelmuttern natürlich. Flügelmuttern werden für Schraubverbindungen eingesetzt, die oft gelöst werden müssen, da sie sich von Hand festziehen und lockern lassen.

Es gibt die Flügelmutter in der deutschen und in der amerikanischen Form, wobei die letztere etwas kantiger ist und etwas schmalere Flügel hat.

Die Flügelmutter im übertragenen Sinne denke ich mir gerne als eine veraltete Form der heute sogenannten Helikoptermutter. Im Französischen würde man sie «mère poule» oder Mutterhenne nennen: Eine Mutter, die ihre weiten Flügel beschützend über ihre Brut breitet. (Hier wäre selbstverständlich der Plural Flügelmütter angebracht.) Nun hat sich diese übertragene Bedeutung der Flügelmutter im Deutschen aber nicht durchgesetzt, mein Einsatz dafür war wohl nicht überzeugend genug.

Politisch jedenfalls ist die Flügelmutter im Deutschen völlig unverdächtig.

Anders im Englischen: Hier heisst sie wingnut und dient als hardware, früher im Eisenwarenhandel (im hardware shop) zu erstehen, demselben verbindenden Zweck. Politisch allerdings ist sie schlecht beleumundet und spielt dort den Rechtsaußen: Als wingnut werden in der Regel Personen bezeichnet, die erzkonservativ sind und politisch oft lautstark extreme, rechte und fast schon abstruse Positionen vertreten. So wie die Flügel der Mutter eben in entgegengesetzte, mitunter extreme Richtungen streben. Das Gegenstück am extremen linken Flügel wird in den U.S.A. übrigens moonbat genannt, was die Idee einer auf dem unwohnlichen Mond herumschwirrenden Fledermaus wiedergeben soll. Beide Ausdrücke werden vor allem vom jeweils politischen Gegner und in herabsetzendem Sinne verwendet.

Dolmetscher lieben solche Sprachspielereien und betreiben damit gerne eine Menge Rechercheaufwand. Mit Blick auf die Midterm elections in den U.S.A. im November könnten uns die Begriffe durchaus mal begegnen. Dann sind wir jedenfalls darauf schon vorbereitet. Und Sie auch.

Danke, Salma !

Ein halbes Jahr ist vergangen, seit Salma Beydoun-Schumann, eines der Gründungsmitglieder von euro communication, aus unserer EWIV ausgeschieden ist. Nach Jahren erfolgreicher Tätigkeit als Konferenzdolmetscherin widmet sie sich nun anderen schönen Dingen.

Durchaus verständlich, aber auch sehr bedauerlich!

Aber vielleicht beginne ich anders: An einem stürmischen Tag an der Küste der schottischen Lowlands entspannten sich einige von uns Dolmetscherinnen bei einem Spaziergang nach einem recht anstrengenden Tag – hatte uns doch die Werksführung unter schottischer Ägide an unsere schottisch-sprachlichen Grenzen geführt.

Unverhofft fragte mich Salma, ob ich mir vorstellen könnte, Mitglied bei euro communication zu werden, und ich sagte sofort freudig zu. Ich fühlte mich geehrt, und dies insbesondere, da ich Salma schon immer als hervorragende Dolmetscherin und tollen Menschen geschätzt habe. Und diese Meinung hat sich in den folgenden Jahren nicht geändert, ganz im Gegenteil …. Eine der Fortsetzungen Schottlands: In Reims in der Champagne verschlug es uns Dolmetscher in eine Art Jugendherberge mit nächtlicher Gitarrenmusik, was einem konzentrierten Arbeiten am nächsten Tag nicht unbedingt zuträglich war. Bereits am nächsten Morgen hatte Salma mit ihrer unvergleichlich höflichen, professionellen und bestimmten Art den Veranstalter, einen ihrer Kunden, überzeugt, dass wir, über ein Dutzend an der Zahl, entweder umziehen müssten oder leider nicht konzentriert arbeiten könnten. Neben der anspruchsvollen Simultanleistung auch noch diese Herausforderung; andere organisierende Kolleginnen und Kollegen wären daran gescheitert, nicht aber Salma!

Sie war bei euro communication für uns immer Inspiration und Ratgeberin, konnte mit einem „Aber, Ihr Lieben“ und einem Augenzwinkern heikle Situationen entspannen und junge und alt gediente Mitglieder motivieren. Sie hat stets gesagt, ohne die Gruppe und ohne deren Rückhalt wäre es ihr schwerer gefallen, ihre Kunden zu betreuen. Den Rückhalt einer Gruppe zu haben ist sehr gut, aber das Standing muss man schon selber beimischen! Und das hat sie immer getan.

Ihre Kunden, ob nun Aufsichtsräte, Banken, Kunden aus Wirtschaft und Recht werden dies gewiss bestätigen können.

Wichtig war – und ist sicherlich weiterhin –  für sie auch immer die deutsch-französische Zusammenarbeit auf politscher, wirtschaftlicher und kultureller Ebene. Vielen bedeutenden Akteuren schenkte sie dazu ihre Stimme.

Ich kann daher nur wiederholen, was ich immer schon gesagt habe: Sie werden uns sehr fehlen, Deine Stimme aus der Nachbarkabine, Deine Unterstützung, Dein Rat, Deine Professionalität und Deine bunten und lebendigen Erzählungen an unseren gemeinsamen Abenden.

Un grand merci!

DO YOU HAVE A HUMAN CONSULTANT I COULD TRY?

euro communication member Matthew Perret, who is also a comedian, recently received this plea from a desperate meeting organiser. He posts it here (with respect for anonymity) to encourage reflection on the specialised expertise of the (human) consultant interpreter- such as those you will find by contacting euro communication

I realised that my international meeting would work better with interpreters, so I started doing some research.

I checked out what was on offer, compared the online reviews, and placed my order with an agency. They had this fun interactive questionnaire, and said their algorithms would send me exactly what I needed.

The interpreters looked great on paper, but when they arrived I found the reality rather disappointing. They grumbled about the aches and pains they’d suffered in transit, being packed tightly inside the box. Once they’d freshened up, they were astonished to discover what I’d hired them for- they said they were just sent here and there with no warning. One poor chap, who clearly wasn’t the right fit for the conference, tried to run away rather than be squeezed back into the packaging for an immediate return. He offered to work into three languages at the same time, because “languages were his passion”.

Another was a specialist in astrology rather than astronomy, but insisted she was a quick learner. The “French-Polish Translation Solution” turned out to be a tin of French polish labelled “Smooth and effective”. 

Apparently, I was now meeting globally, while speaking my own language, and being streamed for access 24/7. The only problem was I couldn’t understand what my stressed interpreters were saying. One of them had to leave in the middle of a sentence because they were being paid by the minute- unfortunately, it was a German sentence, so I never got the verb.

DO YOU HAVE A HUMAN CONSULTANT

I COULD TRY?

Unser ec-Gründungsmitglied, Johanna Roose-Stähle, im wohlverdienten Ruhestand

Rückzug von einer erfolgreichen Dolmetscherkarriere

Zum Jahresende 2020 hat sich unser Gründungsmitglied Johanna Roose-Stähle von ihrem Berufsleben als Dolmetscherin zurückgezogen. Dies nicht zuletzt im Wissen, dass es jenseits der vielen interessanten Einblicke und Abenteuer, die unsere Arbeit so mit sich bringt, auch noch sehr viel Schönes, Spannendes zu entdecken und auszuleben gibt, wofür davor oft schlicht zu wenig Zeit blieb.

Ihr scharfer Verstand und wacher Geist durften sich zunächst am mathematisch-naturwissenschaftlichen Scharnhorst-Gymnasium an Ihrem Geburtsort Hildesheim entfalten. Vielleicht, weil ihr der Horizont dort bald zu eng wurde, bestand sie darauf, in Los Angeles zusätzlich noch das High-School Diploma zu erlangen. Wie so manche ihrer Kollegen erlernte sie ihren Brotberuf am Dolmetscherinstitut in „Germersche“, im pfälzischen Germersheim also, an der Universität Mainz/Germersheim.

Ihre ersten beruflichen Weihen erwarb sie in den siebziger Jahren als frisch-diplomierte Dolmetscherin bei der EU-Kommission in Brüssel. Danach arbeitete sie ausschließlich als freiberufliche Konferenzdolmetscherin und Fachübersetzerin mit Stützpunkt Stuttgart und darf auf eine überaus glanzvolle Karriere zurückblicken:

Als Dolmetscherin der Landesregierung und des Landtags von Baden-Württemberg begleitete sie mehrere Generationen hochrangiger Politiker zu Besuchen oder auf Delegationsreisen ins Ausland − unter anderem nach Südafrika, Indien, USA, Großbritannien und Sri-Lanka – oder zum Beispiel beim Staatsbesuch von Queen Elisabeth II in Deutschland. Zuletzt betreute sie den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, dessen Bewunderung und Dankbarkeit für Ihre Arbeit in einem schriftlichen Abschiedsgruß Ausdruck fand, wie es wohl nur den wenigsten Kollegen vergönnt sein dürfte. 

Weltunternehmen, wie die Robert-Bosch-GmbH und viel andere große und mittelständische Firmen verließen sich über viele Jahrzehnte auf ihren herausragenden Service.

Vermutlich ist sie aber viel mehr Menschen bekannt, als jenen bewusst sein dürfte: Mit ihrer klaren, stets jugendlich-frischen Stimme bestritt sie nicht nur die ganz großen Fernsehinterviews, z.B.  mit Hillary Clinton bei Sabine Christiansen oder Günther Jauch, mit eisernen Nerven und großer Disziplin. Daneben verschaffte sie zahlreichen weiblichen Gästen, Stars und Sternchen bei beliebten Sport- und Unterhaltungssendungen und Talkshows auf Deutsch Gehör.

Als beratende Dolmetscherin organisierte sie immer wieder Teams mit Kolleginnen und Kollegen von nah und fern für unterschiedlichste Dolmetscheinsätze.

Ihr großes Kommunikationstalent, insbesondere aber ihren geistreichen Witz, ihre Schlagfertigkeit und Unerschrockenheit werden wir sehr vermissen, auch ihre Lust daran, Diskussionen gerne mal gegen den Strich zu bügeln, die eigene, konträre Meinung zu vertreten.

Ich hatte das Glück, sie in den letzten zehn Jahren bei zahlreichen Einsätzen sowie als Mitglied des von ihr und Jürgen Stähle mitbegründeten Netzwerks gleichgesinnter, nach höchsten Niveau in jeder Hinsicht strebenden Dolmetscher mitzuerleben. Dass sie jetzt nicht mehr Mitglied bei euro communication ist erfüllt mich mit Wehmut und Dankbarkeit: Wehmut darüber, dass wir nicht mehr gemeinsam in der Dolmetscherkabine um das treffende Wort ringen, eine im Eiltempo vorgetragene Manuskriptverlesung verfluchen…  und uns abends bei einem gemeinsamen Glas Bier oder Wein über das Leben austauschen. Dankbar bin ich darüber, dass sie auch für mich in so vieler Hinsicht ein wunderbares Vorbild und ist und bleibt, aber vor allem eben eine treue Kollegin und Freundin.

Auch wenn sie – nicht zuletzt pandemiebedingt – die erste Auszeit vom Beruf eher gemütlich im von ihrer Liebe zu England durchdrungenen Ruhestandsidyll (My-Home-is-My-Castle) in Stuttgart verbracht hat, wird ihre Passion für Reisen, Wandern mit Freunden, Theater und Musik (gerne auch einmal ein Popkonzert) sie sicher bald wieder weite Kreise ziehen lassen..

Hierfür wünschen wir ihr alles nur erdenklich Gute und bedanken uns für ihre Weitsicht und ihr großes Engagement für unseren Beruf, die im erfolgreichen Dolmetscher-zusammenschluss euro communication aufs Schönste Niederschlag gefunden hat!

Johanna Roose-Stähle mit dem Ministerpräsidenten BW Günther Oettinger zu Besuch bei Thabo Mbeki, ehem. Präsident Süd-Afrika
Copyright Foto: Christof Sage-Fotojournalist

 

Don’t boil the ocean – Sommer ahoi!

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Don’t boil the ocean – Sommer ahoi!

Juli, der Sommer steht vor der Tür und mit ihm neue Ausblicke, weitere Horizonte. Hinter uns liegen anstrengende Monate, alle waren wir gefordert und immer wieder mal überfordert. Wegen zu wenig Arbeit, wegen zu viel Arbeit, zu viel Ungewissheit, wegen Kontaktmangels, Homeoffice und Homeschooling, Veränderungen im Stundentakt, wegen der zahllosen virtuellen Aperos, virtuellen Sitzungen und virtuellen Begegnungen, privat wie beruflich. Und oft wollten wir dann alles auf einmal und alles richtig machen – Kontakte pflegen, uns beruflich weiterentwickeln, fit bleiben, gesund essen, Ärzten und Krankenschwestern Applaus spenden – boiling the ocean, anstatt gezielt abzuwägen und Schritt für Schritt vorzugehen.

Nach dem Pareto-Prinzip, auch 80-zu-20-Regel genannt, werden 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht; während die restlichen 20 % mit 80 % des Aufwandes die meiste Arbeit erfordern. Ernüchternd, aber auch: erhellend!

Natürlich soll man sich hin und wieder vornehmen, den Ozean zum Sieden zu bringen, das Unmögliche möglich zu machen, und ehrgeizige Ziele soll man sich auch setzen. Nach der rauhen See des letzten Jahres sind wir heute seefest, we´ve got our sea legs, und sind in uncharted waters* versierter als bislang unterwegs, haben unsere Karten mit dem Kompass neu ausgerichtet. Denn kartografisch unerfasste Gewässer gab es seit März 2020 zur Genüge zu erkunden. Mit unseren Kolleginnen und Kollegen, Kunden, Ansprechpartnern, Technikanbietern saßen wir dabei in einem Boot – Teamarbeit, die kostbarer war denn je. Immerhin, manches Problem entpuppte sich im Nachhinein als storm in a teacup. Aber um auf diesem Kurs nicht between the devil and the deep blue sea* zu geraten, in ein Dilemma, war es wichtig, klare Kriterien zu haben und ein Quäntchen mehr Gelassenheit als zuvor mitzubringen.

Deshalb brauchen wir hin und wieder eine Auszeit. Dann lassen wir den Ozean Ozean sein in seiner ganzen Schönheit, hängen den Teekessel übers Lagerfeuer und wärmen uns an der Teetasse die Hände – der Ozean bleibt kühl und erfrischend, und wir verabschieden uns mit den besten Grüßen in die Sommerpause.

Anspieltipps & Kurioses:

Der Standard Between the Devil and the Deep Blue Sea“, z.B. eingespielt von Thelonious Monk, Louis Armstrong, Peggy Lee, Ella Fitzgerald, George Harrison, Paolo Nutini und vielen mehr.

Kuriosität am Rande:

Das angebliche Pink Floyd Album Uncharted Waters“, auch genannt The Album that never was! Unreleased. Kein Bootleg, sondern aus Richard Wrights und Dave Gilmours Soloalben zusammengemixt, allerdings offenbar von Fans, samt Albumcover von Magritte.

Autorinnen: Brigitte Stanglmeier/Dorothee Hofer

Was haben Dolmetscher mit Boutique-Hotels zu tun ?

Auf dem Dolmetschermarkt ist seit einigen Jahren ein zunehmender Trend zu regionalen Zusammenschlüssen von Dolmetschern zu beobachten, durch die Kunden zum einen breiter angesprochen und zum anderen besser bedient werden können – sicherlich ein sinnvoller und für Kunden positiver Ansatz. Daneben wird vor allem seit Beginn der Corona-Krise eine Tendenz zum Dolmetschen aus der Ferne bzw. über das Internet (Remote Simultaneous Interpreting) registriert. Wenngleich diese Arbeitsweise angesichts der Einschränkungen durch die Pandemie manchmal die einzige Möglichkeit darstellt, überhaupt mehrsprachige Veranstaltungen und Besprechungen mit Simultanübersetzung durchzuführen, birgt sie doch auch gewisse Risiken und Gefahren. Denn abgesehen von der grundsätzlich schlechteren Tonqualität bei einer Übertragung des gesprochenen Worts über das Internet fördert diese Entwicklung auch einen weiteren Trend – zur Bereitstellung von Dolmetschleistungen auf digitalen und anonymen Plattformen. Aus den USA kommend, präsentiert sich in Europa beispielsweise ein Anbieter einer digitalen Internet-Lösung, über die sowohl die technische Plattform für eine Veranstaltung per se als auch die „zugehörigen“ Dolmetscher per Mausklick bestellt werden können. Ein Algorithmus wählt daraufhin die bei der Plattform registrierten Dolmetscher entsprechend deren (selbst erstellten) Profilen aus und weist sie der Veranstaltung zu. Das mag aus Kundensicht einfach und bequem erscheinen, doch einer hohen Qualität der Dolmetschleistung ist es nur wenig zuträglich.

Wo aber kommen denn nun die Boutique-Hotels ins Spiel?

In der Hotellerie gibt es schon seit längerer Zeit die großen Hotelketten, die einen einheitlichen Standard festlegen, der in allen zugehörigen Häusern eingehalten werden muss. So findet man dann in Hotels einer Kette immer denselben Zimmergrundriss, dieselbe Badezimmerausstattung und dieselben Bettbezüge bis hin zum selben Toilettenpapier vor. Um sich dieser Tendenz zur einförmigen Einheitlichkeit zu entziehen, haben sich zunächst einzelne und dann immer mehr Häuser als Boutique-Hotels positioniert. Ein Boutique-Hotel ist eine eher gehobene Unterkunft, die sich mit hohem Service, einer gästeorientierten Atmosphäre und einem außergewöhnlichem Design von anderen Hotels unterscheidet und damit auf ein hohes Maß an Kundenzufriedenheit abzielt. Natürlich hat diese Art der Unterbringung auch ihren Preis, aber dafür können sich die Gäste sicher sein, dass ihre spezifischen Bedürfnisse und Wünsche auch rundum erfüllt werden.

Die im Dolmetschmarkt vermehrt auftretenden Internet-Plattformen mit Rundumangebot inklusive der Dolmetscher sind mit den großen Hotelketten vergleichbar – allerdings mit einem großen Unterschied: Bei einer Hotelkette weiß man zumindest, dass man an allen Standorten immer denselben Service und dieselbe Qualität bekommt. Bei einer anonymen Dolmetschplattform gilt das jedoch nur für die Technik, aber nicht unbedingt für die „zugeteilten“ Dolmetscher. Und darüber hinaus kann ein Kunde oder Nutzer eines solchen Komplettangebots nicht mit den Dolmetschern in Kontakt treten, um sich vor der Beauftragung einen eigenen Eindruck von den Dienstleistern zu machen oder um wichtige Details der Veranstaltung oder Besprechung zu erörtern. Doch genau dieser direkte Kontakt zum Kunden ist den qualitäts- und kundenorientierten „traditionellen“ Dolmetschern sehr wichtig. Sie suchen diesen Kontakt, um wichtige Details für die Angebotserstellung, letzte Änderungen der Tagesordnung oder die von den einzelnen Rednern verwendete Sprache zu erfragen, spezielle Fachbegriffe oder technische Konzepte abzuklären (damit diese dann auch korrekt übersetzt werden) oder sonstige besondere Anforderungen der Kunden zu ermitteln. Eine derartige Vorbereitung und Abstimmung trägt wesentlich zur Qualität und Präzision der erbrachten Übersetzung und damit zum Erfolg einer Veranstaltung bei. Vor diesem Hintergrund sind sich solche qualitäts- und kundenorientiert auftretenden Dolmetscher mit Boutique-Hotels vergleichbar – auch wenn man auf den ersten Blick die beiden Begriffe „Dolmetscher“ und „Boutique“ in zwei gänzlich verschiedenen Welten verorten würde. Aber vor 20 Jahren wusste wohl auch noch niemand, was ein Boutique-Hotel ist …

Jahresauftakt euro communication 2021

Halbjährliche Treffen haben bei euro communication Tradition. Coronokrise hin oder her, die Lust am Austausch über berufliche Themen und allerlei Herausforderungen auf dem Dolmetschermarkt lassen wir uns nicht nehmen. Trotz Pandemie war die Hälfte unserer Mitglieder kurzfristig zu Dolmetschereinsätzen bestellt worden, so dass diese kleine  – aber nicht weniger feine – Gruppe diverse gemeinsame Gesprächsfäden weiter knüpfte. Sprachlicher Beifang am Rande: Einige unter uns, die kein Spanisch in ihrer Sprachkombination haben, kamen zum ersten mal mit dem schönen Begriff „Tertulia“ in Berührung, der vor allem im späten 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Treffen künstlerischer oder intellektueller Art bezeichnete. Man traf sich damals zum Gespräch an öffentlichen Orten wie Bars oder Cafés, wovon wir momentan natürlich nur träumen können! Nichtsdestotrotz haben wir beschlossen, eine eigene Serie von Tertulias zu begründen, auch wenn Kaffeeduft oder Champagnerprickeln bei den vorerst nur virtuell geplanten Zusammenkünften im Kopf hinzuimaginiert werden müssen. Auch ohne realen Absinth freuen wir uns auf viel Inspiration, die hier bestimmt entstehen wird.

Sylvie L. Roos leaving Euro communication EEIG

 “What I say does not definitely reflect what I think. What I do does not necessarily reflect what I say. Therefore not everything that I do necessarily contradicts everything that I think.”
British ambassador in Teheran explaining the logic of the Middle East

In 2019 our long-serving member Sylvie L. Roos decided to leave euro communication EEIG by the end of the year. The British-French national with German Jewish cultural heritage had joined the group in 2002.

Sylvie can proudly look back on an impressive career as a conference interpreter, conference consultant and interpreter-trainer – all achieved while raising three children!

From 1974, Sylvie worked for decades as a freelance interpreter for the EU and other international institutions as well as for trade and industry, often as both interpreter and conference consultant.

She was entrusted for ten years with the role of Principal Interpreter for the UK Foreign and Commonwealth Office during which time she provided teams for many summits including the G20, G8, G6), as well as for assignments during the UK Presidency of the European Union in 2005.

In addition to her freelance interpreting career, Sylvie was also a much-appreciated interpreter-trainer: from 2001 to 2020 she was Associate Senior Lecturer at the University of Leeds (Master’s in Interpreting), guest lecturer at Helsinki University and visiting lecturer at Manchester University. 

Sylvie specialised in international law and high-level political meetings and holds a Masters of Advanced Studies in Interpreter Training from E.T.I. (Geneva), a post-graduate Diploma in Conference Interpreting from E.S.I.T. (Paris, Sorbonne), Maître-ès-Lettres (MA Dist) in Germanic Studies and Licence d’Anglais (BA Hons) in English language and civilisation from Paris III Sorbonne.

euro communication is very sad to lose such a high-profile colleague, fully dedicated not only to professionalism in interpreting, but also to excellent business relationships with clients and colleagues alike.

Un grand merci!” to Sylvie for the wealth of ideas and knowledge she has contributed to our group. We would like to wish her all the best for the future, good health and plenty of opportunities to enjoy her forthcoming retirement.

euro communication – der rote Faden in Krisenzeiten

Nein, die Wahl eines Motivs für unseren diesjährigen elektronischen Sommergruß ist uns alles andere als leichtgefallen. So gefühlt urplötzlich, wie die Pandemiewelle über uns schwappte, so fundamental und weitreichend sind ihre Auswirkungen für uns alle – da geht im Strudel der Veränderungen gerne mal die Orientierung verloren, stellt sich Verwirrung ein und so manche vermeintlich vielversprechende Lösung entpuppt sich als Irrweg.

Von alters her haben findige Geister Mittel und Wege gefunden, sich aus derlei misslicher Lage zu befreien, und hier kommt dann auch der „Faden“ (aus dem Grußkartenmotiv) ins Spiel: ob als rettender Faden der Ariadne im Labyrinth des blutdürstigen Minotauros oder als Gesprächsfaden, wobei  Dolmetscher als Mittler zwischen anderssprachigen Kulturen vielfach dazu beitragen, dass dieser nicht abreißt.

Als „roter Faden“ hat er eine interessante Geschichte: Eingeflochten in die Taue der königlichen englischen Flotte diente er als Markierung – ein Kniff, der bereits den alten Griechen bekannt war.  Ins Deutsche hielt er durch Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“ Einzug als Metapher für die Neigung und Anhänglichkeit der Ottilie, die sich wie ein Faden durch ihr Tagebuch zieht, „der alles verbindet und das Ganze bezeichnet“.

Zurück zum eigentlichen Wortursprung: Aus dem griechischen petannýnai und dem lateinischen patere (= ausbreiten, sich erstrecken) wurde das lateinische Längenmaß passum (Klafter, Schritt) und aus diesem wiederum später althochdeutsch fadum, mittelhochdeutsch vadem und englisch fathom – ein nautisches Maß, das bei ausgebreiteten Armen von Fingerspitze zu Fingerspitze reicht. Bei der Marine berechnet man die Tiefe übrigens auch heute noch nach Faden.

Im Englischen nennt man den roten Faden von Gesprächen übrigens meistens einfach nur thread – daher auch die Bezeichnung der Abfolge von Posts in Online-Diskussionen.

In Fernost hat der rote Faden hingegen eine etwas andere Bedeutung. Hier bezeichnet er die schicksalhafte Verbindung zwischen Mann und Frau, was durch einen roten Faden an den Knöcheln beider – in Japan auch am kleinen Finger – symbolisiert wird. Teilweise überlappt die Bedeutung auch mit der westlichen Vorstellung der Seelenverwandtschaft. Pinyin hóng xiàn oder jap. (運命の)赤い糸(unmei no) akai ito entspricht als „roter Faden des Schicksals“ dem englischen The Red Thread of Fate.

Als schlichter Bindfaden, der in der Regel mindestens zwei oder mehr Teile zusammenfügt, zeigt der Faden – ganz gleich in welcher Farbe – vielleicht am deutlichsten, wozu er imstande ist: zum Knüpfen von Beziehungen oder auch zur Festigung des Zusammenhalts.