Treffen sich ein Franzose und ein Australier, …

Liest man diese ersten Worte, erwartet man ja in der Regel einen Witz. Nun würden zwar böse Zungen heutzutage auch eine Zusammenkunft zweier Präsidenten als Witz bezeichnen, und ein gewisses Lächeln huscht einem beim Lesen dieser Story auch über die Lippen – doch in einem anderen Kontext könnte man sich auch ernstere Konsequenzen ausmalen:

Bei seinem Staatsbesuch in Australien hat der französische Präsident Macron die Gattin seines australischen Gastgebers als „lecker“ oder „köstlich“ gelobt – als ob er sie gerade vernascht hätte. Doch das wollen wir dem neuen Star am europäischen Politikhimmel nun mal nicht unterstellen. Er hat sich wohl nur von einem falschen Freund reinlegen lassen. Denn das französische „délicieux“ drückt tatsächlich sowohl eine kulinarische Begeisterung als auch eine allgemeine Wertschätzung einer Person im Sinne von „reizend“ aus. Doch leider ist das englische „delicious“ rein auf die Kulinarik beschränkt.

Wenn man sich nun vorstellt, dass sich die Präsidenten zweier Atommächte treffen,
so ließe sich der Titel dieses delikaten Beitrags wohl am besten vervollständigen mit
„ … sollten sie einen Dolmetscher dabei haben“.

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Online-Übersetzer – es hätte schlimmer kommen können

Kurioses von den Olympischen Winterspielen in Südkorea: Verschiedene Medien haben über die Eierbestellung für das norwegische Olympiateam berichtet. Die Köche, die die skandinavischen Skijäger und Schanzenspringer versorgen, wollten eigentlich 1500 Eier haben; doch durch einen Fehler bei der Übersetzung mit Hilfe eines Online-Übersetzungsprogramms wurden letztlich 15.000 Eier angeliefert. Da wären wohl so manchem Sportler die Eier zu den Ohren wieder rausgekommen – doch zum Glück konnten die zu viel bestellten Eier wieder zurückgegeben werden.

Unter anderen Umständen kann so was auch mal richtig ins Auge gehen, man denke nur an eine Bilanzpressekonferenz oder ein internationales Regierungstreffen …

euro communication in der Oper

(Foto: Thomas Aurin)

Unterschiedliche Kulturen, Verständnis schaffen über geographische, kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg – das gibt es nicht nur bei internationalen Konferenzen oder auf dem politischen Parkett sondern natürlich auch auf den Brettern, die sprichwörtlich die Welt bedeuten. Ob vor oder hinter der Bühne wirken oft Künstler aus aller Welt zusammen, um dem Publikum ein unvergessliches oder zumindest denkwürdiges Erlebnis zu bereiten.

Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Auch die Stuttgarter Staatsoper hat sich für die Wintersaison einen Märchenstoff vorgenommen: Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, in der Inszenierung des Russen Kirill Serebrennikov, so war es zumindest geplant. Leider sitzt der Regisseur aus durchsichtigen Gründen immer noch in Moskau unter Hausarrest. Die Staatsoper Stuttgart entschied sich dafür, das Märchen als semi-konzertante Aufführung dennoch auf die Bühne zu bringen und dazu den Hänsel-und-Gretel-Film zu zeigen, der noch im Frühjahr vom Regisseur mit einer Besetzung aus Laien- und Profidarstellern in Ruanda gedreht worden war und der Teil der Operninszenierung hätte werden sollen.

Anlässlich eines Workshops zum Thema Märchenoper im Dezember fand auch eine öffentliche Podiumsdiskussion statt, bei der „eine Deutsche Märchenoper in Ruanda“ – so der Titel der Veranstaltung – aus westlicher und afrikanischer Perspektive betrachtet werden sollte. Hierzu waren, neben einer Wissenschaftlerin im Bereich Theaterwissenschaft und einer afrikanisch-stämmigen Journalistin auch eine Filmregisseurin aus Ruanda  eingeladen, die sich dank der Verdolmetschung  entsprechend in die Diskussion einbringen konnte. Angesichts der hoch komplexen Gemengelage verlief das Gespräch einigermaßen kontrovers, inspirierte dabei aber zu intensivem und fruchtbarem Nachdenken über unterschiedlichste Aspekte. Für uns war es eine Ehre, einen kleinen Beitrag zum Gelingen des Gesprächs leisten zu können.

Geschlechtergerechte Sprache – auch in Frankreich ein heißes Thema

Dass die Diskussion über die geschlechtergerechte Sprache, d. h. die geschlechtsneutrale Ausdrucksweise, nicht nur in Deutschland ein heißes Thema ist, zeigt dieser Artikel aus dem britischen Guardian, in dem über die Position der Académie Française zu genau diesem Thema berichtet wird. Die französische Sprachhüterin hat eine eindeutige Position bezogen, die nicht jedermann /- frau (?) gefällt.

Das Niveau sinkt

In der Kommunikation, der ein- wie auch der mehrsprachigen, scheint der Trend zur Vereinfachung permanent fortzuschreiten. Mag man die Jugendsprache noch als ewiges und nicht unbedingt schädliches Phänomen betrachten, weil sich eben jede junge Generation auch sprachlich von ihren Eltern absetzen will, so gibt die zunehmende Verbreitung der verkürzten Ausdrucksweise in den sozialen Medien und Messenger-Diensten schon eher Anlass zur Besorgnis. Vom Regieren per 140-Zeichen-Twitter-Nachrichten durch den aktuellen amerikanischen Präsidenten ganz zu schweigen.

Doch es gibt auch andere Ansätze, die auf den ersten Blick eine gute Absicht verfolgen, der Kommunikation aber letzten Endes doch einen Bärendienst erweisen. Nach Ansicht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fällt auch das Konzept der „leichten Sprache“ darunter. In einem Beitrag auf der Online-Feuilleton-Seite der Tageszeitung beklagt der Autor zurecht, dass bei diesem Ansatz der Informationsgehalt des Gesagten bzw. Geschriebenen leidet.

Eine Parallele hierzu findet sich auch auf internationaler Ebene. Bei der zunehmenden Verwendung von Englisch als Lingua franca scheint sich auch ein „simple English“ den Weg zu bahnen. Auf der persönlichen Ebene mag dies ja noch für die Annäherung zwischen zwei Menschen genügen. Auf der technischen Ebene (z. B. bei Fachtagungen und -konferenzen) ist es jedoch mehr als fraglich, ob „simple English“ wirklich dem gesteigerten gegenseitigen Verständnis dient.

eurocommunication 20th Birthday Party

Members celebrated yesterday with a Spree on the Spree….  Much fun was had with old friends and new on an afternoon boat tour through historic Berlin, followed by dinner.

Here’s to the next 20!20170715_153842.jpg20170715_162439.jpg

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…

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…heißt es schon in Matthäus 4,4 – eine Bibelstelle, die dank Martin Luther zu einer der beliebtesten Redewendungen im deutschen Sprachraum geworden ist.

Ernährt sich der Mensch, um zu überleben, außer von Brot vielleicht auch von Würmern, wie eine wörtlich-naive Übersetzung von „Diet of Worms“ nahe legen könnte? Geht es hier also um die mancherorts ja durchaus vorhandene Vorliebe für diese eiweißreichen Nährstofflieferanten?

Tatsächlich hat „Diet of Worms“ aber auch so gar nichts mit bestimmten Ernährungsweisen zu tun, und seien sie auch noch so exotisch. Vielmehr hat das englische Wort „diet“ noch eine ganz andere Bedeutung, nämlich die der „Versammlung“, allerdings nur in einem eng begrenzten historischen Zusammenhang. Hauptsächlich wird der Begriff „diet“ als Bezeichnung für die Reichstage des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verwendet – in unserem Beispiel für den berühmten Reichstag zu Worms. Anknüpfend an diese Tradition wird auch der Deutsche Bundestag mitunter als „Federal Diet“ bezeichnet. Von hier ist der gedankliche Schritt zu üppig bemessenen Abgeordnetendiäten nicht mehr allzu groß, würde man den einen oder anderen Parlamentarier hin und wieder doch lieber mit Würmern abspeisen, als mit sauer verdienten Steuergeldern.

Wie dem auch sei – erbaulicher ist es allemal, sich von diesen sehr irdischen Gedanken himmlischeren Gefilden hinzuwenden: der im Titel zitierte Bibelvers hat noch einen zweiten Satzteil, der da lautet “sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes geht“. Ein voller Bauch allein reicht nicht aus, der Mensch bedarf auch geistiger Nahrung. Womit die herausragende Bedeutung des Wortes – und damit auch von Sprache – für die gedeihliche Entwicklung der Menschen von höchster Instanz unterstrichen wird.

Achtung Sprachkünstler – neue englische Begriffe !

Die Sprache lebt ja bekanntlich. Dem will sich auch das Oxford English Dictionary nicht verschließen und hat nun einige neue Begriffe aufgenommen, die sich im mündlichen Sprachgebrauch bereits etabliert haben. Aus Sicht der Sprachentwicklung ist sicher der Begriff „woke“ sehr interessant; seine ursprüngliche Bedeutung von „gut informiert, auf dem Laufenden“ hat sich vornehmlich durch den Gebrauch in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gegen die Unterdrückung afro-amerikanischer Mitbürger verengt auf die politische Wachsamkeit gegenüber Diskriminierung und Unterdrückung.

Für Übersetzer und Dolmetscher dürfte auch „post-truth“ als Äquivalent zum deutschen „Postfaktischen“ hilfreich sein. Zum Schmunzeln hingegen ist die neue Verwendung von „son of a bachelor“ als Ausdruck der Verachtung.

Einen kurzen Überblick über die Neuaufnahmen in das Standardwörterbuch der englischen Sprache bietet unter anderem ein Artikel auf Spiegel Online.

Beruhigungspille für Dolmetscher

Seien wir Englisch-Dolmetscher doch mal ehrlich: Ergreift in einer EBR-Sitzung ein schottischer Arbeitnehmervertreter das Wort und berichtet über die aktuelle Lage am schottischen Standort des Unternehmens, dann kommen wir mitunter schon gehörig ins Schwitzen. Man müht sich dann ab, hat sich nach ein paar Sätzen einigermaßen in den Dialekt eingehört, so dass die Übersetzung für die Zuhörer einen Sinn ergibt  – und sagt sich hinterher dennoch vorwurfsvoll: „Das gibt’s doch nicht; das ist doch mein Job und meine Sprache, also muss ich doch auch den Schotten mühelos verstehen.“ Wer in den Wochen und Monaten zuvor ein starkes Selbstwertgefühl aufgebaut hat oder gar Gefahr läuft, beruflich abzuheben, wird durch so ein Dialekt-Erlebnis schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Wie gut tut es dann zu lesen – zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung vom 05.04.2017 –, dass man nicht alleine so bedröppelt dasteht und dass selbst die britischen Parlamentarier Schwierigkeiten mit dem Dialekt ihrer schottischen (Noch-) Kollegen haben.