Über brockschnieder

more to come

Treffen sich ein Franzose und ein Australier, …

Liest man diese ersten Worte, erwartet man ja in der Regel einen Witz. Nun würden zwar böse Zungen heutzutage auch eine Zusammenkunft zweier Präsidenten als Witz bezeichnen, und ein gewisses Lächeln huscht einem beim Lesen dieser Story auch über die Lippen – doch in einem anderen Kontext könnte man sich auch ernstere Konsequenzen ausmalen:

Bei seinem Staatsbesuch in Australien hat der französische Präsident Macron die Gattin seines australischen Gastgebers als „lecker“ oder „köstlich“ gelobt – als ob er sie gerade vernascht hätte. Doch das wollen wir dem neuen Star am europäischen Politikhimmel nun mal nicht unterstellen. Er hat sich wohl nur von einem falschen Freund reinlegen lassen. Denn das französische „délicieux“ drückt tatsächlich sowohl eine kulinarische Begeisterung als auch eine allgemeine Wertschätzung einer Person im Sinne von „reizend“ aus. Doch leider ist das englische „delicious“ rein auf die Kulinarik beschränkt.

Wenn man sich nun vorstellt, dass sich die Präsidenten zweier Atommächte treffen,
so ließe sich der Titel dieses delikaten Beitrags wohl am besten vervollständigen mit
„ … sollten sie einen Dolmetscher dabei haben“.

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Online-Übersetzer – es hätte schlimmer kommen können

Kurioses von den Olympischen Winterspielen in Südkorea: Verschiedene Medien haben über die Eierbestellung für das norwegische Olympiateam berichtet. Die Köche, die die skandinavischen Skijäger und Schanzenspringer versorgen, wollten eigentlich 1500 Eier haben; doch durch einen Fehler bei der Übersetzung mit Hilfe eines Online-Übersetzungsprogramms wurden letztlich 15.000 Eier angeliefert. Da wären wohl so manchem Sportler die Eier zu den Ohren wieder rausgekommen – doch zum Glück konnten die zu viel bestellten Eier wieder zurückgegeben werden.

Unter anderen Umständen kann so was auch mal richtig ins Auge gehen, man denke nur an eine Bilanzpressekonferenz oder ein internationales Regierungstreffen …

Geschlechtergerechte Sprache – auch in Frankreich ein heißes Thema

Dass die Diskussion über die geschlechtergerechte Sprache, d. h. die geschlechtsneutrale Ausdrucksweise, nicht nur in Deutschland ein heißes Thema ist, zeigt dieser Artikel aus dem britischen Guardian, in dem über die Position der Académie Française zu genau diesem Thema berichtet wird. Die französische Sprachhüterin hat eine eindeutige Position bezogen, die nicht jedermann /- frau (?) gefällt.

Das Niveau sinkt

In der Kommunikation, der ein- wie auch der mehrsprachigen, scheint der Trend zur Vereinfachung permanent fortzuschreiten. Mag man die Jugendsprache noch als ewiges und nicht unbedingt schädliches Phänomen betrachten, weil sich eben jede junge Generation auch sprachlich von ihren Eltern absetzen will, so gibt die zunehmende Verbreitung der verkürzten Ausdrucksweise in den sozialen Medien und Messenger-Diensten schon eher Anlass zur Besorgnis. Vom Regieren per 140-Zeichen-Twitter-Nachrichten durch den aktuellen amerikanischen Präsidenten ganz zu schweigen.

Doch es gibt auch andere Ansätze, die auf den ersten Blick eine gute Absicht verfolgen, der Kommunikation aber letzten Endes doch einen Bärendienst erweisen. Nach Ansicht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fällt auch das Konzept der „leichten Sprache“ darunter. In einem Beitrag auf der Online-Feuilleton-Seite der Tageszeitung beklagt der Autor zurecht, dass bei diesem Ansatz der Informationsgehalt des Gesagten bzw. Geschriebenen leidet.

Eine Parallele hierzu findet sich auch auf internationaler Ebene. Bei der zunehmenden Verwendung von Englisch als Lingua franca scheint sich auch ein „simple English“ den Weg zu bahnen. Auf der persönlichen Ebene mag dies ja noch für die Annäherung zwischen zwei Menschen genügen. Auf der technischen Ebene (z. B. bei Fachtagungen und -konferenzen) ist es jedoch mehr als fraglich, ob „simple English“ wirklich dem gesteigerten gegenseitigen Verständnis dient.

Achtung Sprachkünstler – neue englische Begriffe !

Die Sprache lebt ja bekanntlich. Dem will sich auch das Oxford English Dictionary nicht verschließen und hat nun einige neue Begriffe aufgenommen, die sich im mündlichen Sprachgebrauch bereits etabliert haben. Aus Sicht der Sprachentwicklung ist sicher der Begriff „woke“ sehr interessant; seine ursprüngliche Bedeutung von „gut informiert, auf dem Laufenden“ hat sich vornehmlich durch den Gebrauch in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gegen die Unterdrückung afro-amerikanischer Mitbürger verengt auf die politische Wachsamkeit gegenüber Diskriminierung und Unterdrückung.

Für Übersetzer und Dolmetscher dürfte auch „post-truth“ als Äquivalent zum deutschen „Postfaktischen“ hilfreich sein. Zum Schmunzeln hingegen ist die neue Verwendung von „son of a bachelor“ als Ausdruck der Verachtung.

Einen kurzen Überblick über die Neuaufnahmen in das Standardwörterbuch der englischen Sprache bietet unter anderem ein Artikel auf Spiegel Online.

Beruhigungspille für Dolmetscher

Seien wir Englisch-Dolmetscher doch mal ehrlich: Ergreift in einer EBR-Sitzung ein schottischer Arbeitnehmervertreter das Wort und berichtet über die aktuelle Lage am schottischen Standort des Unternehmens, dann kommen wir mitunter schon gehörig ins Schwitzen. Man müht sich dann ab, hat sich nach ein paar Sätzen einigermaßen in den Dialekt eingehört, so dass die Übersetzung für die Zuhörer einen Sinn ergibt  – und sagt sich hinterher dennoch vorwurfsvoll: „Das gibt’s doch nicht; das ist doch mein Job und meine Sprache, also muss ich doch auch den Schotten mühelos verstehen.“ Wer in den Wochen und Monaten zuvor ein starkes Selbstwertgefühl aufgebaut hat oder gar Gefahr läuft, beruflich abzuheben, wird durch so ein Dialekt-Erlebnis schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Wie gut tut es dann zu lesen – zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung vom 05.04.2017 –, dass man nicht alleine so bedröppelt dasteht und dass selbst die britischen Parlamentarier Schwierigkeiten mit dem Dialekt ihrer schottischen (Noch-) Kollegen haben.

Wie sich Wörter in ihrer Bedeutung verselbständigen

Im Zusammenhang mit dem Ausscheiden der englischen Mannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich hat sich ein interessantes Beispiel für die Weiterentwicklung der Sprache ergeben. Eine britische Radioreporterin wollte das englische Team als „überbezahlte Pfeifen“ bezeichnete und drückte das in ihrer Muttersprache mit „overpaid nonces“ aus. Und in der Tat ist „nonce“ vor allem bei der jüngeren Generation ein geläufiges Schimpfwort für „Idiot“ oder „Weichling“. Zu dumm allerdings, dass der Reporterin der Ursprung des Begriffs nicht bekannt war – der im „offiziellen“ England nach wie vor die vorherrschende Bedeutung darstellt: „Nonce“ entstammt dem Gefängnisjargon und steht für „Not – On – Normal – Courtyard – Exercise“. Damit sind Gefangene gemeint, die von den anderen Insassen getrennt werden –  in den meisten Fällen handelt es sich um Pädophile.

Nachzulesen ist die Geschichte unter anderem hier.

Gerade bei den Schimpfwörtern haben wir ja auch im Deutschen einige Beispiele, bei denen ein Wort als mitunter böses, aber doch eher allgemein gemeintes Schimpfwort verwendet wird und die ursprüngliche Bedeutung in den Hintergrund gerückt ist. Doch derartige Beispiele will ich an dieser Stelle nun wahrlich nicht erörtern …

 

Kanzlerin benutzt englisches Idiom – na ja, fast richtig

Beim Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf der Hannover-Messe gab sich die deutsche Kanzlerin Merkel polyglott: Am Ende der kurzen Begrüßung vor der versammelten Presse wollte sie ihren Gast rasch in den Ausstellungsbereich lotsen, um vor Ort die neuesten Technologien in Augenschein zu nehmen. Anstatt also nur theoretisch über dieses und jene Produkt zu fachsimpeln, bevorzugte sie die persönliche, praktische Erfahrung im Sinne von „Probieren geht über studieren“. Und um Barack (und sicherlich auch die versammelte Presse) zu beeindrucken, brachte sie diesen Vorschlag auf Englisch vor: „The proof of the pudding is the eating“.

Dieses englische Sprichwort geht, manchen Quellen zufolge, bis ins 16. oder gar 14. Jahrhundert zurück und bezog sich möglicherweise nicht auf einen Pudding im heutigen Sinne, sondern bezeichnete eine eher deftige Speise aus den gefüllten Innereien eines Tiers – was der schottischen Nationalspeise Haggis sehr nahe kommt.

Wie auch immer – der entscheidende Punkt ist, dass die Kanzlerin zwar aus guter Absicht handelte, aber in der Umsetzung dennoch leicht daneben lag; denn korrekterweise lautet das englische Sprichwort „the proof of the pudding is in the eating“. Natürlich kann man bei diesem kleinen Lapsus angesichts der guten Absicht Nachsicht üben, aber dem gut informierten Dolmetscher ist die korrekte Redewendung sicherlich geläufig.

Interessante Namensgebung für Vorwahl-Tage in den USA

Am Dienstag, 26.04., finden im Rahmen des USA-Wahlkampfs für die Präsidentschaft die Vorwahlen in den Bundesstaaten Pennsylvania, Connecticut, Delaware, Maryland und Rhode Island statt. In den US-Medien, die ja generell schnell mit griffigen Kurznamen bei der Hand ist, um einen komplexen Sachverhalt für das gemeine Volk kurz und eingängig darzustellen, hat sich für diesen Tag die Bezeichnung „Acela Primaries“ etabliert. Aber was in aller Welt bedeutet „Acela“?

Es ist der Name des Hochgeschwindigkeitszugs, der von der amerikanischen Bahngesellschaft Amtrak betrieben wird und u. a. fünf Städte in genau diesen Staaten verbindet: Providence (Rhode Island), New Haven (Connecticut), Philadelphia (Pennsylvania), Wilmington (Delaware) und Baltimore (Maryland).

Der Name ‚Acela‘ selbst ist ein Kunstwort, das für die Einführung dieser Zugverbindung geschaffen wurde und die Begriffe „acceleration“ (Beschleunigung) und „excellence“ kombinieren soll.

Auch zu einem anderen Vorwahl-Tag gibt es eine interessante Story: Der Super Tuesday am 1. März mit Vorwahlen in insgesamt 13 Bundesstaaten (Alabama, Alaska, Arkansas, Colorado, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont, Virginia, Wyoming) sowie dem US-Territorium Amerikanisch-Samoa wurde in den USA auch als ‚SEC Super Tuesday‘ bezeichnet. Börsenprofis würden vermuten, dass es sich bei „SEC“ um die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission handelt – weit gefehlt. Der Spitzname bezieht sich vielmehr auf sieben von diesen 13 Staaten, die im Süden der USA gelegen sind: Alabama, Arkansas, Georgia, Oklahoma, Tennessee, Texas and Virginia; die College-Sportteams dieser Staaten treten nämlich alle in der South-Eastern Conference an, einer geografisch abgegrenzten Liga im College-Sport (vergleichbar mit den früheren Fußballbundesligen „2. Bundesliga Nord und Süd“).