Beruhigungspille für Dolmetscher

Seien wir Englisch-Dolmetscher doch mal ehrlich: Ergreift in einer EBR-Sitzung ein schottischer Arbeitnehmervertreter das Wort und berichtet über die aktuelle Lage am schottischen Standort des Unternehmens, dann kommen wir mitunter schon gehörig ins Schwitzen. Man müht sich dann ab, hat sich nach ein paar Sätzen einigermaßen in den Dialekt eingehört, so dass die Übersetzung für die Zuhörer einen Sinn ergibt  – und sagt sich hinterher dennoch vorwurfsvoll: „Das gibt’s doch nicht; das ist doch mein Job und meine Sprache, also muss ich doch auch den Schotten mühelos verstehen.“ Wer in den Wochen und Monaten zuvor ein starkes Selbstwertgefühl aufgebaut hat oder gar Gefahr läuft, beruflich abzuheben, wird durch so ein Dialekt-Erlebnis schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Wie gut tut es dann zu lesen – zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung vom 05.04.2017 –, dass man nicht alleine so bedröppelt dasteht und dass selbst die britischen Parlamentarier Schwierigkeiten mit dem Dialekt ihrer schottischen (Noch-) Kollegen haben.

Konzernsprache Englisch

Jetzt hat es auch PC erwischt (im Klartext: People’s Car, vormals bekannt als Volkswagen): die Konzernsprache wird Englisch. Wie das klingen könnte, darüber sinniert im besten Denglisch Hannes Hintermeier in der FAZ vom 16. Dezember. Wir wollen uns einstweilen nicht ausmalen, wie es denn wäre, wenn der VW Konzern chinesisch parlieren würde. Ernst Piech jedenfalls prophezeit einen baldigen Verkauf an die Chinesen…..

Horse-trading?

Klar handeln die Bauern im Bild nicht mit Pferden, sondern mit Kühen, das haben Sie natürlich längst selbst festgestellt.

Allerdings scheint der englische Begriff horse-trading auf den ersten Blick inhaltlich fast bedeutungsgleich mit dem deutschen Kuhhandel zu sein. Es geht lediglich um Nuancen im Gebrauch. Während dem deutschen Kuhhandel und dem britischen horse-trading eine leichte Anrüchigkeit anhaftet und sie oft als Bezeichnung für ein kleinlich geführtes, übles Tauschgeschäft dienen – bei den Briten vor allem gerne im politischen Kontext -,  wird beim amerikanischen horse trading  mit harten Bandagen und einer gehörigen Portion Schlitzohrigkeit um die Erzielung eines vorteilhaften Abschlusses gefeilscht.

Und wozu das Wörterbuch?

Das Bild zeigt einen Viehmarkt in der rätoromanischen Schweiz. Dazu muss man wissen, dass das Rätoromanische fünf unterschiedliche Idiome kennt, deren Sprecher (heute noch ca. 60.000) sich teilweise nur mit Mühe verstehen können. Ältere Generationen, deren Mutter- oder Hauptsprache das Rätoromanische war, taten oder tun sich oft auch mit dem Deutschen nicht so leicht.

Und wenn man so gar nicht weiterkommt, hilft dann auch mal ein Wörterbuch weiter!

 

Wie sich Wörter in ihrer Bedeutung verselbständigen

Im Zusammenhang mit dem Ausscheiden der englischen Mannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich hat sich ein interessantes Beispiel für die Weiterentwicklung der Sprache ergeben. Eine britische Radioreporterin wollte das englische Team als „überbezahlte Pfeifen“ bezeichnete und drückte das in ihrer Muttersprache mit „overpaid nonces“ aus. Und in der Tat ist „nonce“ vor allem bei der jüngeren Generation ein geläufiges Schimpfwort für „Idiot“ oder „Weichling“. Zu dumm allerdings, dass der Reporterin der Ursprung des Begriffs nicht bekannt war – der im „offiziellen“ England nach wie vor die vorherrschende Bedeutung darstellt: „Nonce“ entstammt dem Gefängnisjargon und steht für „Not – On – Normal – Courtyard – Exercise“. Damit sind Gefangene gemeint, die von den anderen Insassen getrennt werden –  in den meisten Fällen handelt es sich um Pädophile.

Nachzulesen ist die Geschichte unter anderem hier.

Gerade bei den Schimpfwörtern haben wir ja auch im Deutschen einige Beispiele, bei denen ein Wort als mitunter böses, aber doch eher allgemein gemeintes Schimpfwort verwendet wird und die ursprüngliche Bedeutung in den Hintergrund gerückt ist. Doch derartige Beispiele will ich an dieser Stelle nun wahrlich nicht erörtern …