‚Be amazonized‘ und ’schwank‘ – die Sprache lebt !

Dass unsere Sprache einer permanenten Weiterentwicklung unterliegt, ist ja wahrlich nichts Neues. Zum einen bringt die Jugendsprache natürlich immer neue Begriffe hervor, mit denen sich Heranwachsende von den Erwachsenen abgrenzen wollen (z. B. das letztjährige Jugendwort des Jahres ‚I bims‘). Zum anderen entstehen durch die technologische und gesellschaftliche Weiterentwicklung ständig neue Konzepte, deren Bezeichnungen Einzug in den allgemeinen Sprachwortschatz finden, man denke nur an ‚Diesel-Fahrverbot‘ oder ‚Apps‘. Unter natürlich spielen auch die Presse und die Medien allgemein eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung der Sprache. Vor diesem Hintergrund gibt es nun zwei interessante neue Termini aus den USA und aus dem deutschen Sprachraum:

Unternehmen und Geschäfte jeglicher Branchen sind heutzutage gezwungen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und die Möglichkeiten der Digitalisierung einzubeziehen. Denn wer es versäumt, auf den digitalen Zug aufzuspringen, ist schnell raus aus dem Geschäft. Und genau dafür haben kreative Sprachkünstler (vermutlich) in den USA einen passenden Ausdruck geschaffen: ‚to be amazonized‘. Dieser Terminus bezeichnet eine Entwicklung, bei der ein signifikanter Teil des Geschäfts in einer Branche plötzlich von einem Internet-gestützten Anbieter beherrscht wird.

Und auch im deutschen Sprachraum sind kreative Sprachkünstler am Werk. So berichtet die ‚ZEIT‘ in ihrer Ausgabe vom 22.08., dass immer mehr schwangere Frauen bereits in einer frühen Phase der Schwangerschaft von ihrem Arzt entweder ein generelles Beschäftigungsverbot oder eine Krankschreibung erhalten. Und für letzteren Umstand schuf der ZEIT-Journalist dann auch gleich einen neuen Ausdruck: ’schwank‘, aus ’schwanger‘ und ‚krank‘. Ob es sich nun wirklich um einen nachweisbaren Trend oder nur um eine falsche Auslegung von Statistiken oder gar um einen handfesten Schwank handelt – die Wortkreation ist doch wirklich nett.

Interessant ist in diesem Zusammenhang noch die Tatsache, dass die Wortschöpfung ’schwank‘ anscheinend originär aus dem deutschen Sprachraum kommt und nicht auf einem englischsprachigen Vorbild basiert – denn in der Regel kommen ja viele derartige Sprachkreationen aus dem amerikanischen Umfeld (man könnte sich ‚prill‘ aus ‚pregnant‘ und ‚ill‘ vorstellen). Der Grund könnte in diesem Fall in dem schwach ausgeprägten Gesundheitswesen in den USA liegen – aber das würde nun gar zu einer politischen Debatte führen, die wir an dieser Stelle nicht anstoßen wollen …

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Geschlechtergerechte Sprache – auch in Frankreich ein heißes Thema

Dass die Diskussion über die geschlechtergerechte Sprache, d. h. die geschlechtsneutrale Ausdrucksweise, nicht nur in Deutschland ein heißes Thema ist, zeigt dieser Artikel aus dem britischen Guardian, in dem über die Position der Académie Française zu genau diesem Thema berichtet wird. Die französische Sprachhüterin hat eine eindeutige Position bezogen, die nicht jedermann /- frau (?) gefällt.

NoPegida

Dies ist ausnahmsweise einmal kein Blog-Beitrag, der direkt mit dem Dolmetschen in Verbindung steht – dafür umso mehr mit Offenheit, Toleranz, Verständnis und damit doch wieder auch mit Sprache. Es geht um eine Internet-gestützte Unterschriftenaktion gegen die unsägliche Pegida-Bewegung. Wer zumindest ein kleines Zeichen gegen diese unreflektierte Protestaktion setzen will, die sich vermeintlich gegen eine zunehmende Islamisierung richtet, vielmehr jedoch ein Ausdruck diffuser und nicht klar identifizierter Ängste zu sein scheint, unterschreibe hier.

Vorsicht bei zu blumiger Sprache

„Die Nachricht, die er gerade auf seinem Handy empfangen hatte, verlieh Peter Flügel und er bewältigte den Rest des Waldlaufs in kürzester Zeit.“

Mal ehrlich, wer würde beim Lesen eines derartigen Satzes wirklich annehmen, dass sich an Peter’s Schulterblättern langsam Auswölbungen formten, die schließlich die Haut durchbrachen, sich zu engelshaften Flügeln ausbildeten und Peter letztlich schwebend durch den Wald trugen? Eigentlich ist jedem Schulkind klar, dass mit dieser bildhaften Ausdrucksweise nur die besondere Mühelosigkeit einer Unternehmung unterstrichen werden soll. Nicht so in den USA: Dort hat doch tatsächlich eine drohende Klage vor einem Gericht den Energy-Drink-Hersteller Red Bull dazu bewogen, im Rahmen eines Vergleichs 13 Millionen US-Dollar in einen Fonds einzuzahlen. Der Kläger hatte nach dem Konsum des gleichnamigen Energy Drinks („Red Bull verleiht Flügel“) wohl vergebens auf das Wachstum neuer Gliedmaßen gewartet, die ihn in die Lüfte heben würden – und daraufhin in seiner Enttäuschung den Rechtsweg beschritten. (Der ausführliche Bericht ist unter anderem hier nachzulesen.)

Keine Frage, in Deutschland hätte solch eine absurde Tumbheit kaum Aussichten auf gerichtlichen Erfolg, aber muss man sich nun als Dolmetscher zweimal überlegen, welche Metaphern man in seine Übersetzung einbaut? Man überlege sich nur, auf welche dreisten Gedanken ein humorloser Zuhörer kommen könnte, wenn er Sätze hört wie „Diese neue Technologie ist Gold Wert“ oder „Der Anblick solcher Fotos aus den ärmsten Dörfern bricht jedem Betrachter das Herz“ …

 

Wir werden die englischen unregelmäßigen Verben wohl nicht loswerden

Wieder ein interessanter Artikel über die Entwicklung unserer Sprache. Linguisten haben untersucht, welche häufig verwendeten Wörter aus verschiedenen Sprachen auf einen gemeinsamen Ursprung in einer „Ursprache“ zurückgehen. Interessante Erkenntnisse und Prognosen ergaben sich dabei unter anderem für die unregelmäßigen Verben im Englischen: So gab es vor 1200 Jahren noch deutlich mehr unregelmäßige Verben im Englischen als heute. Die meisten davon, interessanterweise die seltener benutzten, sind mittlerweile verschwunden bzw. sie werden nun wie regelmäßige Verben konjugiert, d. h. im Imperfekt mit der angehängten Endung „…ed“. Diejenigen unregelmäßigen Verben, die jedoch am häufigsten verwendet werden, unterliegen nicht diesem Trend und werden nach Ansicht von Sprachforschern auch in Zukunft unregelmäßig bleiben – z. B. „to go“ oder „to be.“

Der komplette Artikel in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Spiegel ist hier zu finden.

Russische Steppe oder Südanatolien – die Herkunft unserer Sprache

Zwar herrscht unter Linguisten und Archäologen Einigkeit dahingehend, dass das Hethitische die älteste schriftlich belegte indoeuropäische Sprache ist – und auch, dass sich aus dieser Sprache heraus viele der heutigen Sprachen Europas entwickelt haben. Doch wo diese Ursprache zuerst gesprochen wurde, darüber streiten sich die Gelehrten auch heute noch. Die einen siedeln den Ursprung in den russischen Steppen nördlich des Schwarzen Meeres an, andere favorisieren Südanatolien. Zusätzliche Brisanz erhielt die Diskussion durch die Arbeiten eines Evolutionspsychologen, der mit Hilfe eines Computerprogramms eine Art linguistischen Stammbaum der indoeuropäischen Sprachen aufbaute – und dabei die Wurzeln dieser Sprachfamilie auch in Südanatolien ansiedelte.

Der komplette, nicht nur für Sprachwissenschaftler und -anwender interessante Artikel ist hier in der Stuttgarter Zeitung nachzulesen.