Konzernsprache Englisch

Jetzt hat es auch PC erwischt (im Klartext: People’s Car, vormals bekannt als Volkswagen): die Konzernsprache wird Englisch. Wie das klingen könnte, darüber sinniert im besten Denglisch Hannes Hintermeier in der FAZ vom 16. Dezember. Wir wollen uns einstweilen nicht ausmalen, wie es denn wäre, wenn der VW Konzern chinesisch parlieren würde. Ernst Piech jedenfalls prophezeit einen baldigen Verkauf an die Chinesen…..

Kanzlerin benutzt englisches Idiom – na ja, fast richtig

Beim Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf der Hannover-Messe gab sich die deutsche Kanzlerin Merkel polyglott: Am Ende der kurzen Begrüßung vor der versammelten Presse wollte sie ihren Gast rasch in den Ausstellungsbereich lotsen, um vor Ort die neuesten Technologien in Augenschein zu nehmen. Anstatt also nur theoretisch über dieses und jene Produkt zu fachsimpeln, bevorzugte sie die persönliche, praktische Erfahrung im Sinne von „Probieren geht über studieren“. Und um Barack (und sicherlich auch die versammelte Presse) zu beeindrucken, brachte sie diesen Vorschlag auf Englisch vor: „The proof of the pudding is the eating“.

Dieses englische Sprichwort geht, manchen Quellen zufolge, bis ins 16. oder gar 14. Jahrhundert zurück und bezog sich möglicherweise nicht auf einen Pudding im heutigen Sinne, sondern bezeichnete eine eher deftige Speise aus den gefüllten Innereien eines Tiers – was der schottischen Nationalspeise Haggis sehr nahe kommt.

Wie auch immer – der entscheidende Punkt ist, dass die Kanzlerin zwar aus guter Absicht handelte, aber in der Umsetzung dennoch leicht daneben lag; denn korrekterweise lautet das englische Sprichwort „the proof of the pudding is in the eating“. Natürlich kann man bei diesem kleinen Lapsus angesichts der guten Absicht Nachsicht üben, aber dem gut informierten Dolmetscher ist die korrekte Redewendung sicherlich geläufig.

Neueste Kapriolen von Klopp und den Fußballdolmetschern

Auf der Pressekonferenz nach einem Champions League-Spiel konsekutiv zu dolmetschen, ist sicher kein Zuckerschlecken. Und wenn der beteiligte Trainer dann auch noch Jürgen Klopp heißt, kann es amüsant oder haarig werden, je nach Perspektive. Das musste auch der allgegenwärtige Fußballdolmetscher erfahren, der wohl nicht ganz mit der deutschen Metapher von den hoch hängenden Trauben vertraut ist und sie als paradiesisches Traumland interpretierte – was Jürgen Klopp natürlich sofort auf- und missfiel. Antwort des Dolmetschers auf Kloppos Kritik: „Wie würden Sie das denn übersetzen?“ …

Hier der betreffende Ausschnitt der Pressekonferenz nach dem Spiel des FC Liverpool in Augsburg.

Wie gesagt, Pressekonferenzen mit Kloppo sind kein Zuckerschlecken, aber gut informierte und qualifizierte Dolmetscher würden auch damit zurechtkommen.

Die Sprache lebt – den Smombies zum Trotz

Der Langenscheidt-Verlag kürt seit geraumer Zeit regelmäßig das Jugendwort des Jahres. Dabei können Jugendliche ihre Vorschläge auf einer Website einreichen und anschließend in einer Online-Abstimmung eine engere Auswahl ermitteln – aus der dann eine Jury das neue Jugendwort auswählt. Dieses Jahr hat „Smombie“ das Rennen gemacht, eine Kombination aus „Smartphone“ und „Zombie“ – gemeint ist damit eine Person, die so sehr auf ihr Handy fixiert ist, dass sie alles andere um sich herum gar nicht mehr wahrnimmt. Welche gelungene Wortschöpfung, da freut sich auch das Dolmetscherherz!

Diese Bezeichnung ließe sich auch trefflich für die immer wieder anzutreffenden Bahnfahrer verwenden, die sich im ICE-Großraumwagen mit einem Telefonpartner lautstark über die neuesten geschäftlichen, privaten oder gar intimen Entwicklungen austauschen und dabei gar nicht bemerken, dass die übrigen Mitreisenden (darunter auch hin und wieder ein Dolmetscher, der sich auf den nächsten Einsatz vorbereitet) neugierig, verlegen oder gar freudig erregt mithören …

Er versteht kein Deutsch – aber nimmt es mit Humor!

Ben Bloom, Journalist des englischen „The Telegraph“, stand dieser Tage vor einer großen sprachlichen Herausforderung: Er sollte einen Live-Blog zu der Pressekonferenz von Borussia Dortmund zum Abschied von Jürgen Klopp erstellen. Das Dumme daran war, dass die Pressekonferenz auf Deutsch und ohne Simultandolmetscher abgehalten wurde und Bloom des Deutschen nicht mächtig ist. Herausgekommen ist dabei ein amüsanter Blog-Post, in dem der Autor sich mehrfach über seine eigenen fehlenden Sprachkenntnisse lustig macht und bedauert, kein Deutsch gelernt zu haben – „I’d love to tell you what Klopp is saying. He is saying a lot. But I can understand precisely none of it“. Mit diesem lustigen Blog-Post wurde Bloom rasch zum Star der Internet-Gemeinde, und der Telegraph sah sich schließlich sogar veranlasst, in einem zusätzlichen Blog-Beitrag zu verkünden, dass Ben Bloom NOCH nicht gefeuert wurde, sondern sofort nach Dienstende einen Deutschkurs aufgenommen hat. Der äußerst unterhaltsame Wortlaut ist hier zu finden.

My English is beautiful

Politiker sind es gewöhnt, in der Weltsprache Englisch zu parlieren. Doch bei wichtigen Veranstaltungen, wie offiziellen Verlautbarungen und Pressekonferenzen beispielsweise, verlassen sich selbst Sprachgenies wie der italienische Premierminister Matteo Renzi auf die Dienste professioneller Dolmetscher. Natürlich nicht, ohne vorher charmant auf die eigene angelsächsische Eloquenz hingewiesen zu haben, wie man hier sehen kann.

NoPegida

Dies ist ausnahmsweise einmal kein Blog-Beitrag, der direkt mit dem Dolmetschen in Verbindung steht – dafür umso mehr mit Offenheit, Toleranz, Verständnis und damit doch wieder auch mit Sprache. Es geht um eine Internet-gestützte Unterschriftenaktion gegen die unsägliche Pegida-Bewegung. Wer zumindest ein kleines Zeichen gegen diese unreflektierte Protestaktion setzen will, die sich vermeintlich gegen eine zunehmende Islamisierung richtet, vielmehr jedoch ein Ausdruck diffuser und nicht klar identifizierter Ängste zu sein scheint, unterschreibe hier.

Vorsicht bei zu blumiger Sprache

„Die Nachricht, die er gerade auf seinem Handy empfangen hatte, verlieh Peter Flügel und er bewältigte den Rest des Waldlaufs in kürzester Zeit.“

Mal ehrlich, wer würde beim Lesen eines derartigen Satzes wirklich annehmen, dass sich an Peter’s Schulterblättern langsam Auswölbungen formten, die schließlich die Haut durchbrachen, sich zu engelshaften Flügeln ausbildeten und Peter letztlich schwebend durch den Wald trugen? Eigentlich ist jedem Schulkind klar, dass mit dieser bildhaften Ausdrucksweise nur die besondere Mühelosigkeit einer Unternehmung unterstrichen werden soll. Nicht so in den USA: Dort hat doch tatsächlich eine drohende Klage vor einem Gericht den Energy-Drink-Hersteller Red Bull dazu bewogen, im Rahmen eines Vergleichs 13 Millionen US-Dollar in einen Fonds einzuzahlen. Der Kläger hatte nach dem Konsum des gleichnamigen Energy Drinks („Red Bull verleiht Flügel“) wohl vergebens auf das Wachstum neuer Gliedmaßen gewartet, die ihn in die Lüfte heben würden – und daraufhin in seiner Enttäuschung den Rechtsweg beschritten. (Der ausführliche Bericht ist unter anderem hier nachzulesen.)

Keine Frage, in Deutschland hätte solch eine absurde Tumbheit kaum Aussichten auf gerichtlichen Erfolg, aber muss man sich nun als Dolmetscher zweimal überlegen, welche Metaphern man in seine Übersetzung einbaut? Man überlege sich nur, auf welche dreisten Gedanken ein humorloser Zuhörer kommen könnte, wenn er Sätze hört wie „Diese neue Technologie ist Gold Wert“ oder „Der Anblick solcher Fotos aus den ärmsten Dörfern bricht jedem Betrachter das Herz“ …