Von deinen und meinen Angelegenheiten oder Was hat das Bier mit der Bahre zu tun?

Wenn ich mein Gegenüber mit das ist nicht dein Bier abkanzle, dann ist das die klare Aufforderung, sich aus einer Sache rauszuhalten. Sage ich dem Engländer this is not your beer, kann ich damit höchstens die Inhaberschaft an einem Glas Gerstensaft klären. Versuche ich es mit that’s not your pigeon würde er mich wohl nur mithilfe eines guten Wörterbuches verstehen, auch wenn dieses durchaus erklärt, dass ich mir mit dem Hinweis auf die Taube jede Einmischung verbitte. Der Ausdruck ist aber selten – und hat übrigens mit der Taube nichts zu tun, sondern ist eine Verballhornung des Wortes Pidgin. Jedenfalls: wenn der Brite oder US-Amerikaner sein Gegenüber aus einer Sache heraushalten will, sagt er eher nüchtern-grob this is not your business oder etwas gewählter not your beeswax , was als Bienenwachs mit dem Bier auch nur drei Anfangsbuchstaben gemeinsam hat.

Wenn ich das ist nicht dein Bier im Französischen zu ce n’est pas ta bière mache, ist das unverständlich oder klingt sogar leicht makaber: Die Übersetzung das ist nicht deine Bahre gibt zwar nur die zweite Bedeutung des Wortes bière wieder, ist aber alles andere als abwegig. (Nebenbei gesagt: In dem sehr hörenswerten Chanson Dire que Fernand est mort spielt der unsterbliche Jacques Brel mit der Doppelbedeutung des Wortes.) Eher müsste ich sagen Ce ne sont pas tes oignons, also nicht deine Zwiebeln, womit man vom Biergarten in den Gemüsegarten versetzt wird. Was ja auch einleuchtet, alldieweil die Einrichtung des Biergartens in Frankreich nicht besonders verbreitet, die Zwiebel dagegen durchaus beliebt ist.

Als unverbesserliche Teeliebhaber haben die Engländer bekanntlich den Ausdruck that’s not my cup of tea geprägt – den die Franzosen in alter Feindschaft mit ce n’est pas ma tasse de thé übernommen haben. Das ist nicht gleichbedeutend wie not my business, was darauf hinweist, dass Tee eben kein Geschäft ist, sondern Genuss. Hier geht es denn auch um Vorliebe und Geschmack: Was nicht meine Tasse Tee ist, trifft nicht meinen Geschmack. Ob es mein Bier ist oder nicht, steht auf einem anderen Bierdeckel. Prost!

 

Schloss, Schlösser, Lockdown!

Schlösser haben es ja in sich – sprachlich und überhaupt. So bauen Franzosen ihre Luftschlösser in Spanien: Des châteaux en Espagne sind Hirngespinste, die zwar fantasievoll, in Wirklichkeit aber unerreichbar sind, Luftschlösser eben. Zurückzuführen ist die Redewendung darauf, dass in feudalen Zeiten französischen Rittern Schlösser in Spanien zum Lehen gegeben wurden, die sie sich allerdings erst erobern mussten. Die Hoffnung darauf fiel wohl ebenso schnell in sich zusammen wie ein vulgäres château de cartes, das im Deutschen als einfaches Kartenhaus ja auch deutlich weniger herrschaftlich daherkommt, auch wenn nach dem Einsturz der gleiche papierene Trümmerhaufen übrig bleibt.  

Dass einem Engländer sein Heim sein Schloss ist (an Englishman’s home is his castle), ist wohlbekannt und sagt bestimmt einiges über seine Häuslichkeit aus. Ob das umgekehrt auch gilt (an Englishman’s castle is his home), muss nach Corona-bedingtem Genuss der einschlägigen königlichen Serie «The Crown» angezweifelt werden, jedenfalls wenn man sich das Heim als etwas Behütendes vorstellt. 

Reich mir die Hand, mein Leben – und komm auf mein Schloss mit mir! In der Originalsprache prahlt Don Giovanni nicht mit einem (Luft?) Schloss, sondern umwirbt die unschuldige Zerlina mit einem Eheversprechen. – Là ci darem la mano, là mi dirai di sì (Dort reichen wir uns dann die Hand – dort sagst Du mir dann Ja!). Frech ist beides, eben echt Don Juan.

Das deutsche Schloss scheint mir sprachlich sonst eher in seiner Bedeutung als Schliessvorrichtung verbreitet: Wer hinter Schloss und Riegel sitzt, wohnt nicht in einem adligen Riegelhaus. (Das in der Schweiz übrigens Rieghaus heisst und dort durchaus für helvetische Verhältnisse schlossähnliche Grösse erreichen kann.) Wer ein Schloss knackt, ist nicht ein Einbrecher, der es auf die Kronjuwelen abgesehen hat, sondern im günstigeren Fall der Mann vom Schlüsseldienst. Dieses deutsche Schloss heisst übrigens auf English lock, womit der Lockdown nichts anderes bewirkt, als uns alle für eine Weile hinter Schloss und Riegel zu bringen. Wenn dann unser Heim unser Schloss ist, können wir es uns dabei doch eigentlich ganz gemütlich machen. Oder?