euro communication – der rote Faden in Krisenzeiten

Nein, die Wahl eines Motivs für unseren diesjährigen elektronischen Sommergruß ist uns alles andere als leichtgefallen. So gefühlt urplötzlich, wie die Pandemiewelle über uns schwappte, so fundamental und weitreichend sind ihre Auswirkungen für uns alle – da geht im Strudel der Veränderungen gerne mal die Orientierung verloren, stellt sich Verwirrung ein und so manche vermeintlich vielversprechende Lösung entpuppt sich als Irrweg.

Von alters her haben findige Geister Mittel und Wege gefunden, sich aus derlei misslicher Lage zu befreien, und hier kommt dann auch der „Faden“ (aus dem Grußkartenmotiv) ins Spiel: ob als rettender Faden der Ariadne im Labyrinth des blutdürstigen Minotauros oder als Gesprächsfaden, wobei  Dolmetscher als Mittler zwischen anderssprachigen Kulturen vielfach dazu beitragen, dass dieser nicht abreißt.

Als „roter Faden“ hat er eine interessante Geschichte: Eingeflochten in die Taue der königlichen englischen Flotte diente er als Markierung – ein Kniff, der bereits den alten Griechen bekannt war.  Ins Deutsche hielt er durch Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“ Einzug als Metapher für die Neigung und Anhänglichkeit der Ottilie, die sich wie ein Faden durch ihr Tagebuch zieht, „der alles verbindet und das Ganze bezeichnet“.

Zurück zum eigentlichen Wortursprung: Aus dem griechischen petannýnai und dem lateinischen patere (= ausbreiten, sich erstrecken) wurde das lateinische Längenmaß passum (Klafter, Schritt) und aus diesem wiederum später althochdeutsch fadum, mittelhochdeutsch vadem und englisch fathom – ein nautisches Maß, das bei ausgebreiteten Armen von Fingerspitze zu Fingerspitze reicht. Bei der Marine berechnet man die Tiefe übrigens auch heute noch nach Faden.

Im Englischen nennt man den roten Faden von Gesprächen übrigens meistens einfach nur thread – daher auch die Bezeichnung der Abfolge von Posts in Online-Diskussionen.

In Fernost hat der rote Faden hingegen eine etwas andere Bedeutung. Hier bezeichnet er die schicksalhafte Verbindung zwischen Mann und Frau, was durch einen roten Faden an den Knöcheln beider – in Japan auch am kleinen Finger – symbolisiert wird. Teilweise überlappt die Bedeutung auch mit der westlichen Vorstellung der Seelenverwandtschaft. Pinyin hóng xiàn oder jap. (運命の)赤い糸(unmei no) akai ito entspricht als „roter Faden des Schicksals“ dem englischen The Red Thread of Fate.

Als schlichter Bindfaden, der in der Regel mindestens zwei oder mehr Teile zusammenfügt, zeigt der Faden – ganz gleich in welcher Farbe – vielleicht am deutlichsten, wozu er imstande ist: zum Knüpfen von Beziehungen oder auch zur Festigung des Zusammenhalts.