Das „Heft des Handelns“ – was steht wohl drin?

In den Medien ist immer öfter zu lesen oder zu hören vom „Heft des Handelns“: Man solle es nicht aus der Hand geben oder endlich in dieselbe nehmen, manch einer habe davon nur noch eine Ecke in der Hand, eine Fußballmannschaft habe es in der zweiten Spielhälfte endlich übernommen oder es liege jetzt „beim Staatsanwalt“ – wahrscheinlich, so darf man vermuten, auf einem großen Stapel weiterer unbearbeiteter Fälle …

Erst kürzlich sprach Miriam Meckel, Kommunikationswissenschaftlerin und Herausgeberin der Wirtschaftswoche, in einem TV-Talk vom „Heft des Handelns und des Denkens“, das uns die KI (Künstliche Intelligenz) nicht aus der Hand nehmen dürfe.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend  (BMFFSJ) wirbt gar aktuell auf seiner Website – illustriert mit einer entsprechender Abbildung – für ein „Heft des Handelns“, das Mut machen soll für demokratisches Engagement und in dem „100 große und kleine Ideen“ vorgestellt werden!

Tatsächlich aber steht nichts drin in einem „Heft des Handelns“. Denn der Ausdruck beruht einfach auf einem missverstandenen Gebrauch einer Redewendung, deren eigentliche Bedeutung kaum noch bekannt zu sein scheint.

Das „Heft in der Hand halten“ – so heißt es ursprünglich – bezieht sich keineswegs auf ein Heft aus Papier, in dem irgendwelche Handlungsanweisungen schriftlich festgehalten sind, sondern auf das „Heft“ (d.h. den Griff) eines Messers oder Schwertes.

Wer „das Heft in der Hand“ hält, hat seit jeher die Oberhand (auch das ein Begriff aus dem Schwertkampf), er dominiert und gibt den Ton an.

Auch in der englischen Sprache hat sich diese Bedeutung als „haft“ für den Griff einer Waffe oder auch einen Hammerstiel erhalten.

Das ähnlich klingende „heft“ (verwandt mit dt. „heftig“) hat darüber hinaus ganz passend die Bedeutung von „Gewicht“ und im übertragenen Sinne von Einfluss und Macht („political heft“).

Wer mag, darf Letzteres gern als „Eselsbrücke“ benutzen. Was es übrigens mit dieser Art der Gedächtnisstütze auf sich hat und wie Simultandolmetscher den Begriff in andere Sprachen umsetzen, lesen Sie in Kürze hier in unserem Blog.

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